Sonntag, 3. Februar 2008

Impfung or not

"Und lassen Sie sich bloß keine Impfungen aufschwatzen", meinte meine Homöopathin noch bei meinem letzten Besuch, bei dem ich ihr von meinen Plänen berichtete. Tja, nun also wirklich gaaaar keine Impfungen, oder nur die echt notwendigen und wenn ja welche sind denn dann die echt notwendigen???
Eine kleine Internet-Recherche (ich merke gerade, ich war in den letzten Wochen ganz schön mit Recherchen beschäftigt...) ergab folgende Bedrohungslage:

- Diphterie
- Tetanus
- Hepatitis A
- Hepatitis B (f. Risikogruppen)
- Tollwut (f. Risikogruppen)
- Typhus
- Gelbfieber
- Chagas-Erkrankung
- Cholera
- Dengue-Fieber
- Malaria
- Fleckfieber
- Pest
- Leishmaniase

Ok. Bravo. Gar keine Impfung ging dann irgendwie mental nicht mehr bei dieser Gefahrensituation. Zumal Gelbfieber für einige Gebiete sogar gesetzlich vorgeschrieben ist.
Also: Diphterie/Tetanus/Polio hat man ja (in der Regel) eh. Und gegen Hep. A+B hatte ich mich bereits vor Jahren für eine andere Reise impfen lassen. Diese Überlegungen konnte ich mir somit sparen. Aber der Rest? Ab gings also ins Tropeninstitut, wo ich dann auch gleich an den richtigen geraten bin. Einen frustrierten weißen Gott, der es im stolzen Alter von mindestens 60 Jahren augenscheinlich nicht über seinen tropeninstitutionellen Schreibtisch hinaus geschafft hatte und dies durch höchst fehlangebrachtes Autoritätsgehabe zu kompensieren suchte. Im Endeffekt aber nicht mehr drauf hatte, als sich seine Informationen von derselben Website abzurufen, mittels derer ich mich zuhause schon selber kundig gemacht hatte...
Malaria war kein Problem, da hat er mir nur ein Rezept für die sündhaft teuren Tabletten (Riamet) ausgestellt. Gelbfieberimpfung war klar weil vorgeschrieben. Keine Diskussion. Bei Typhus war ich wankend, aber die Story vom letzten Berliner Typhus-Dauerausscheider aus dem zweiten Weltkrieg, der erst vor 3 Jahren gestorben ist, in Kombination mit der bildhaft vorgetragenen Ansteckungsgefahr über grünen Salat, den in armen Regionen typhusinfizierte Kleinbauern (angeblich) noch mit ihren privaten Ausscheidungen zu düngen pflegen, hat mich kippen lassen. Also zweite Spritze rein.
Bei der Tollwut wollte ich allerdings standhaft bleiben. Auch der bayrische Wald, in dem ich die unbeschwerten Tage meiner Kindheit verbracht habe, war seinerzeit ausgewiesenes Tollwutrisikogebiet und trotzdem wurde ich nicht geimpft. Außerdem will ich in Peru nicht als Tierarzthelferin tätig werden. Und im schlimmsten Fall kann man sich ja nach einem (z. B. Fledermaus-)Biß immer noch nachträglich behandeln lassen. Das waren meine Argumente. Aber die zählten wenig im Angesicht meines profilneurotischen Gegenübers. In den schillerndsten Farben schilderte er mir also den Todeskampf, den man nach einer nicht-behandelten Tollwutinfektion unweigerlich zu erwarten hat (so natürlich auch gerade vor wenigen Wochen in der Charité geschehen): Man kann nichts mehr trinken, hat aber ganz schreckliche innere Krämpfe und windet sich und schreit und heult und wimmert, vertrocknet dann von innen und stirbt. So ungefähr. Und wenn ER das Sagen hätte, würde er mich nicht ohne diese Impfung ausreisen lassen. Hat er aber nicht und bei dem Ton erst recht nicht. So hab ich mich nicht impfen lassen, und zwar vor allem wegen ihm. Und weil die Impfung dann auch nochmal 4x 50 € gekostet hätte (Ok, falsches Argument, denn was sind schon 200 € im Vergleich mit dem Tod - ich weiß, hat er mir natürlich auch gleich entgegen geschleudert...)
Zuhause angekommen und total verunsichert also erstmal ne Mail an Maria in Huancayo: "Please help me. I know you're not a doctor, but give me advice: Are you all vaccinated against rabies and do you recommend I should do so?" - "You surely DON'T need to get vaccinated against rabies. Huancayo is a nice city that has internet cafés and all. There is no danger of rabies." Danke!

1 Kommentar:

A sheep abroad hat gesagt…

Hallo liebe Schwester,
ich überlege gerade ernsthaft meinen Urlaub in Peru zu verbringen und Dir dabei einen Besuch abzustatten. Bei dieser ganzen Impferei macht es mir die Entscheidung nicht wirklich einfach.