Am Sonntag um halbe achte haben wir uns auf den Weg zu einer Wanderung nach Huaytapallana eine Taxistunde ausserhalb von Huancayo gemacht, die sich vor allem durch eine wunderbare blaue Lagune sowie einen Gletscher und das Erlebnis von echtem Schnee auszeichnet, bzw. auszeichnen soll. Denn leider hatten wir ein ziemliches Scheiss-Wetter und Angel konnte sich kaum an den anderen Bergen orientieren, denn die waren out of sight. So mussten wir nach anderthalb Stunden Bergaufstieg umdrehen und einen anderen Weg einschlagen. Was erneuten Aufstieg erforderte und in 4000 Metern Hoehe nicht ganz unanstrengend ist. Das ganze fuehlt sich lungentechnisch ungefaehr so an, als ob man sich am Vorabend drei Schachteln Zigaretten reingezogen hat... Mit dem erkaempften Resultat, dass von der Lagune ungefaehr fuenf Meter sichtbar waren und vom Schnee garnix. Aber gutes Training wars allemal...
the blue lagoon
Donnerstag, 27. März 2008
Huaytapallana
Semana Santa
Und hier die letzten Semana Santa-Impressionen von letzter Woche. Von Donnerstag bis Sonntag in den fruehen Morgenstunden stand alles im Zeichen von Jesus' Grablegung und Auferstehung. Ueber Tage hinweg wurden der im Sarg liegende Jesus und Mama Maria durch die Stadt getragen, bis sie sich am Sonntag morgen um 5 Uhr begleitet von einem Feuerwerk (welches ich allerdings verschlafen habe) wieder vereint haben.
Auch Bernabe gehoerte zu den Sargtraegern.
Marktimpressionen
Es gibt hier einen riesigen Mercado, auf dem es alles ganz frisch und vor allem ganz guenstig zu kaufen gibt. Fuer die Gringas wird allerdings, wie nahezu allerorts, gerne was auf den Preis aufgeschlagen. Denn wir habens ja...
Hier gibts ausschliesslich Knoblauch!!
Freitag, 21. März 2008
Ausflug mit dem Orfanato
Gestern, als Auftakt zur Semana Santa, haben wir gemeinsam mit den Jungs vom Waisenhaus einen Ausflug zu einem hoch oben auf einem Berg aufgestellten Kreuz gemacht. Dies entlang der 14 Stationen des Kreuzweges (inkl. Grablegung und Auferstehung), an welchen wir jeweils halt gemacht und sowohl einer der Jungs als auch der Chef vom Waisenhaus einen biblischen Text vorgetragen und uns weise Worte fuers Leben mitgegeben haben.
Eigentlich war geplant, dass ich erst in einem Monat auch ein bisschen im Waisenhaus arbeiten werde, doch wurde ich, als der Psychologe desselbigen vernahm, dass ich momentan vormittags ueber ein wenig freie Zeit verfuege, von diesem gleich herzlich und bestimmt eingeladen, doch bereits am kommenden Montag morgen vorbeizukommen um mitzuhelfen. Was ich natuerlich auch sehr gerne tue, allerdings nicht jeden Tag, denn langsam sollte ich doch mal lernen, mit meinen Kraeften ein bisschen besser zu haushalten. In den letzten Tagen hab ichs mal wieder uebetrieben, wie mir mein Kopf deutlich zu verstehen gegeben hat. Man schleppt sich und seine "Eigenheiten" halt doch immer mit, in welches auch noch so entfernte Land man auch verreisen mag...
Die meisten der Jungen sind vormittags in der Schule, die geistig gehandicapten bleiben allerdings zuhause und werden dann gesondert betreut. In diesem Bereich werde dann auch ich arbeiten. I keep you informed!
Mit diesem Stinkebus, der zuvor beim Warmlaufen mit seinen Abgasen mindestens einen Hektar Rasen kaltgemacht hat, haben wir uns gestern auf den Weg gemacht.
Eine der Kreuzwegstationen samt Ansprache.
Ausblick.
Die vorvorletzte Station.
Die letzte Station, mit auferstandenem Jesus.
Dieses aus Elektromasten gefertigte Kreuz wurde zu Hochzeiten des Sendero Luminoso von der Landbevoelkerung auf dem Berg aufgestellt, rekurrierend auf den Umstand, dass die Sendero-Terroristen seinerzeit mit Vorliebe mittels des Kappens von Strommasten die Elektrizitaetsversorgung des Landes flachlegten.
Abschied von Isabel
Vor einigen Tagen haben wir in einem kleinen Restaurant - Cafe Cito - Isabels Abschied gefeiert, die ca. 3 Wochen im Casa Projekt gearbeitet hat. Zu Essen gabs ganz herrliche Hamburger a la pobre mit Spiegelei und Fritten fuer 5 Soles (4 Soles entsprechen einem Euro) und unglaublichen Fruchtcocktails fuer 4 Soles, die ansich schon eine ganze Mahlzeit darstellten.
Hier bekommt sie das erste offizielle von Expand Peru vergebene Voluntario-Certificado.
Und hier alle zusammen.
Dia de Ramos / Palmsonntag
Den letzten Sonntag haben wir dann wieder in Sicaya verbracht, wo der Dia de Ramos stattfand. Wir sind morgens um acht losgefahren, um meiner nun ehemaligen Gastfamilie bei der Vorbereitung von diesmal sogar 2 Pacha Mancas zu helfen. Diese wurden dann anschliessend auf dem Marktplatz verkauft und es gibt sogar einen Pachamanca Contest, bei dem die beste Pachamanca ausgewaehlt und praemiert wird.
Blick auf den Hauptplatz, wo die verschiedenen Pacha Manca-Erdloecher aufgeheizt werden.
Alex, Eilees Mann, praepariert einen Teller.
Nachdem dann alles vorbereitet war, hat man Angel und mir die ehrenvolle Aufgabe uebertragen, die Kinderschar zu hueten, was wahrscheinlich der anstrengendste Job des Tages war:)
Und so acht Stunden spaeter fand dann auch endlich der Einzug nach Jerusalem statt, dessen Hoehepunkt eine Vielzahl weisser Esel darstellt, dekoriert mit kunstvoll arrangierten Obstaufbauten. Dieser Einzug ist derart bekannt im ganzen Land, dass sogar Besucher aus Lima extra zu diesem anreisen (und sich dann beim Kauf eines Tellers Pacha Manca bisweilen hoechst arrogant gebaerden.)
Ich muss ja zugeben, dass ich in Anbetracht der Rolle der katholischen Kirche in der Landesgeschichte Perus so meine Schwierigkeiten mit der bisweilen hoechst innigen Religioesitaet der Bevoelkerung habe...
Casa Project
Seit einiger Zeit arbeite ich nun auch im Casa Project. Eine Woche ueberlappend mit meiner Taetigkeit in Aco, seit dieser Woche ausschliesslich. Im Casa, einem Haus in Chupaca, betreuen wir nachmittags drei Kindergruppen, helfen ihnen bei ihren Hausaufgaben und unterrichten sie in Englisch. Ich bin jetzt also nicht mehr die Kindergarten-Tia, sondern die Professora, die Miss...
Meine Gruppe, die ich gemeinsam mit Milena aus Australien betreue, setzt sich zusammen aus Kindern zwischen 6 und 9 Jahren. Und taeglich waechst mein Respekt vor allen in erzieherischen Berufen taetigen Menschen dieser Welt!!
Nicht gerade erleichtert wird die ganze Sache durch den Umstand, dass die verschiedenen Altersstufen sich natuerlich auf verschiedenen Unterrichtsniveaus bewegen, Disziplin ein Fremdwort zu sein scheint (ich weiss, dass klingt jetzt SEHR deutsch, is aber wahr), die Kinder mal auftauchen und mal nicht und das peruanische Bildungssystem der einzige Horror ist. Halbwegs akzeptabler Unterricht wird nur in Privatschulen und Privatunis gewaehrleistet, die sich die Eltern der zu uns kommenden Kinder natuerlich nicht leisten koennen. (Am Ende einer 11jaehrigen Schullaufbahn in einer staatlichen Schule sind saemtliche Schueler nicht in der Lage, eine ueber Hello und Good Bye hinausgehende Unterhaltung in Englisch zu fuehren - das muss man sich mal vorstellen!! Obwohl sie jahrelangen "Unterricht" genossen haben.) Und so habe ich zum Beispiel einen Jungen in meiner Klasse, der in der 2. Stufe ist und kaum 2 und 2 zusammenzaehlen kann. Und wiederum solche Kinder, die in derselben Stufe bereits multiplizieren koennen und sich total langweilen. Und daher aus dem Klassenzimmer rennen oder die ungesicherte Treppe zum Dach hochklettern, um den Fussball von der obersten Regalwand zu manoevrieren. Himmel hilf. Die australischen Maedels sind mittlerweile dazu uebergegangen, sich nicht nur zur Belohnung hinterher, sondern bereits zur Staerkung vorher einen Gin zu genehmigen. Und die bleiben nur noch eine Woche und danach bin ick janz alleene. Puuuhhhh...........
Amarada de Flores
Letzten Freitag hat mich Senor Edmundo eingeladen, an der Amarada de Flores, die eine Woche vor der Semana Santa in Sicaya stattfindet, teilzunehmen. Dabei werden in Gemeinschaftsarbeit Blumengestecke gefertigt, die spaeter einen gekreuzigten Jesus und eine Virgen Immaculada schmuecken. Anschliessend wird ein leckeres Essen serviert (alles finanziert von einem reichen Spender aus Amerika, der in sein altes Heimatdorf gekommen ist, um zu dieser Gelegenheit waehrend der Prozession das Kreuz zu tragen) und werden die Blumengestecke zu einer Kapelle getragen:
Auch ich durfte gemeinsam mit Senora Lourdes ein Gesteck tragen, und dass sieht leichter aus, als es ist...
Hier der noch nackige Jesus
Und hier fertig geschmueckt und bereit fuer die 12 Stationen durchs Dorf bis zur Kirche
Staunende Zuschauer
Und ab gehts.
Lange hat der edle amerikanische Spender allerdings nicht durchgehalten mit dem geschulterten Kreuz und dieses an etwas kraeftigere Traeger uebergeben...
Umzug
Mittlerweile wohne ich bereits fast seit einer Woche in der Volunteer Residence im Zentrum von Huancayo. Nach einem Monat Familienanschluss, den ich zwar sehr genossen habe, geniesse ich jetzt allerdings ebenso den Umstand, nicht mehr jeden Tag Bescheid geben zu muessen, wann und ob ich nach Hause komme und vorsichtig anfragen zu muessen, ob Angel mich eine Stunde auf meinem Zimmer besuchen darf:) Trotzdem kann ich mich ueber mangelnde Bekuemmerung keineswegs beschweren. Nachdem der Arzt mir letzte Woche ein Tabletteneinnahme-Schedule von alle 8 Stunden verpasst hat, hat Ingrid das ganze derart ernst genommen, dass sie mich um 6 Uhr morgens anrief, um sich zu erkundigen, ob ich um vier Uhr (die eigentliche Einnahmezeit) meine Pillen geschluckt habe. Da hatte ich noch Glueck, dass sie, obwohl sie die ganze Nacht davon getraeumt hat, mich anrufen zu muessen, ihren Wecker um 4 nicht gehoert hat. Und als sie abends keine Zeit hatte, in die Residence zu kommen, um mir Huehnersuppe zu kochen, standen mit einemmal ihr Vater und ihre Mutter vor der Tuer, um mir aus Gartenkraeutern bereiteten Heiltee vorbeizubringen und mir ein bisschen Gesellschaft zu leisten. Dabei wurde Ingrids Mutter darauf aufmerksam, dass ich mich irgendwie staendig unbewusst am Jucken war. Und was stellt sich raus - Floehe hab ich auch noch. Prost Mahlzeit.
Sonntag, 16. März 2008
Pachamanca
Letzten Sonntag fand im Haus der Tochter meiner Gastfamilie eine echte Pachamanca statt. Das ist die traditionelle Zubereitung eines Essens in einem heissen Erdloch. In dem Erdloch wird zunaechst ein Gluthaufen entzuendet, auf welchem dann eine Steinaufbaut errichtet wird, damit sich auch die Steine aufheizen. Waehrenddessen wird das Essen vorbereitet, welches traditionell aus 3 Sorten Fleisch, Bohnen, Humitas (eine in Maisblaetter gehuellte Mischung aus durch einen Sieb gedruecktem Mais, Mehl, Zucker etc. besteht) und Kartoffeln besteht. Wenn alles heiss und fertig vorbereitet ist, werden die Steine entfernt und das Essen ins Loch befoerdert, wobei immer wieder lagenweise heisse Steine aufgeschichtet werden. Das ganze wird dann gut abgedeckt und mit Erde abgedichtet. Nach ca. 1.5 Stunden wird die Erde wieder abgetragen und kommen fertig gegarte Leckereien ans Tageslicht. Gegessen wird das ganze dann natuerlich erdverbundenerweise ohne Besteck.
Anschliessend gabs dann eine Runde Bier, zu dessen Mitbringung Angel angehalten worden war, um die Sympathien meiner Gastfamilie zu gewinnen. Scheint hier so ueblich zu sein:) Getrunken wird dann aber ein bisschen anders als bei uns. Denn nicht jeder bekommt eine Flasche vorgesetzt, sondern es macht ein einzelnes Glas die Runde, welches sich jeder, waehrend er seinem Nebenmann zuprostet, aus derselben Flasche fuellt. Uebrigbleibender Schaum wird anschliessend in eine dafuer auf dem Tisch stehende Schale geschuettet und das Glas wird weitergereicht. Diese Vorgehensweise hat natuerlich zur Folge, dass man wesentlich schneller als gewoehnlich trinkt, weil man den naechsten nicht ewig warten lassen will. Hab ich natuerlich auch gemacht. Und das obendrauf auf die fettige Pacha Manca. Die Rache folgte dann auf den Fuss und hat mich nahezu die ganze Nacht mit Magenkraempfen niedergestreckt. Hinterher wurde ich dann ganz schlau von allen Seiten darueber belehrt, dass man nach einer Pacha Manca doch nur Tee oder Anisschnaps trinken soll und jaaaaa kein kaltes Bier. Und schon gar nicht ich mit meinem empfindlichen europaeischen Magen. Entsprechende Belehrungen natuerlich auch von jenen, die mir einen Tag vorher noch froehlich zugeprostet haben. Naja, naechstes Mal weiss ichs besser...
Links meine Gastmama Senora Lourdes und Tochter Sahri bei der Vorbereitung der Humitas.
Gastpapa Senor Edmundo schichtet Steine auf.
Ausblick aus dem Klofenster.
Senora Lourdes mischt den Teig fuer die Humitas,
Und hier wird ihm das Fell in heissem Wasser abgeschrubbt. Waehrenddessen ich meine zaertlichen Kindheitsgedanken an meinen kleinen Egon tapfer zu verdraengen suchte, dir zuvor erheblich zur Erheiterung meiner Gastfamilie beigetragen haben. Denn wie um alles in der Welt kann man ein Meerschwein drei Jahre lang in einem Kaefig neben dem Kinderbett halten, ohne es zu verzehren.....???
und entweder auf dem Boden sitzend
oder gemeinsam am Tisch verzehrt.
Das blieb dann am Ende uebrig von meinem Meersauschenkel.
Und zu guter Letzt gabs Bluemchen fuer alle Maedels, rueckwirkend zum internationalen Tag der Frau!