Von Ollantaytambo ging es dann per Zug weiter nach Aguas Calientes, einem kleinen und haesslichen Touri-Ort, welcher Machu Picchu am naehesten ist. Die Zugfahrt kostet ein halbes Vermoegen, was daran liegt, dass es nur diese eine Moeglichkeit gibt, um nach MP zu kommen, andererseits daran, dass diese Zugstrecke nicht in peruanischer Hand, sondern ein chilenisch-englisches Unternehmen ist. Und das ist so gut wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Wenigstens kostets von O. aus nur die Haelfte, weswegen wir dorthin per Taxi gefahren sind und so noch Zeit hatten, uns die Ruinen anzusehen.
Nach einer Nacht in Aguas Calientes ging es dann mit einem der ersten Busse um 05:30 rauf nach MP, wo uns die Sonne mit einem wunderschoenen Aufgang ihrer selbst bedachte.
Bevor wir uns allerdings an die Besichtigung der Ruinen gemacht haben, haben wir erstmal die Besteigung des Wayna Picchu in Angriff genommen, hinten im Bild zu sehen. Doch dem war noch nicht genug. Denn auf der hinteren Seite des WP gibt es einen Templo de la Luna, den wir auch gerne sehen wollten. So hiess es dann den halben WP hinten wieder runter, Tempel besichtigen, wieder rauf und einmal drumherum und auf dem erstmals bestiegenen Pfad wieder runter. Klingt verwirrend, ist aber vor allem kraeftezehrend. Nach ca. 5 Stunden waren wir dann wieder am Ausgangspunkt angelangt und derart fertig mit der Welt, dass an Ruinenbesichtigung erstmal nicht zu denken war...
MP vom WP aus gesehen:
AA kommt dynamisch oben an:
Ich aufm Thron im Templo de la Luna:
Aussicht von meinem Thron aus auf die Selva:
Und als wir uns dann vom Auf-Ab-Aufstieg wieder erholt hatten, gings doch noch an die Ruinenschau:
Nach insgesamt ca. 12 Stunden wieder in Aguas Calientes angekommen, gabs dann zur Belohnung erstmal ein Haehnchen, dessen Preis AA zuvor nahezu um die Haelfte runtergehandelt hat und dessen traurige Reste im folgenden zu bestaunen sind.
Das nenne ich Hunger!!
Montag, 30. Juni 2008
Machu Picchu
Sonntag, 29. Juni 2008
Ollantaytambo
Das kleine Dorf Ollantaytambo liegt anderthalb Fahrtstunden von Cuzco entfernt im heiligen Tal. Der Ort selber, welchem inkaische Stadtplanung zugrunde liegt, ist klein, huebsch und beschaulich, die eigentlich interessante Sehenswuerdigkeit allerdings ist die daneben aufragende inkaische Festungsruine. Hier haben die Spanier endlich mal eine Schlacht verloren, und zwar gegen Manco Inca und das im Jahr 1536. Leider war der Sieg keiner auf Dauer und nach einem zweiten Angriff mit verstaerkter Truppe musste Manco dennoch in den Dschungel fliehen...
Aussicht aus dem Taxi auf dem Weg nach O.:
Ollantaytambo:
Versorgungsterrassen der Festung:
Festungsmauern,
in unglaubliche Praezisionsarbeit gefertigt:
Wie diese Steine nach oben geschleppt wurden, ist nicht nachzuvollziehen...:
Und dann wars auch schon Abend und wir mussten zum Bahnhof, um mit dem Zug weiter nach Machu Picchu zu fahren.
Inka Museum, Cuzco
Gerne reduziert man ja die peruanische Vergangenheit auf die Inka. Aber da gabs noch vieeeeeeel mehr andere Kulturen. Soviele, dass man irgendwann kaum mehr durchblickt.
Hier ein kleiner Ueberblick, der nur die Region um Cuzco abdeckt:
Hier ein trepanierter Schaedel. Diese Vorgehensweise wurde von den Inka uebernommen, um z.B. Schaedeldruck auszugleichen. Die Loecher wurden anschliessend in der Regel mit Goldplatten verschlossen, der Patient zuvor gluecklicherweise narkotisiert.
Vielleicht sollte ich das auch mal machen lassen:)
Vermutlich um sich sichtbar von der Unterschicht abzuheben, hat der inkaische Adel derartige Schaedelverformungen ab dem Saeuglingsalter vorgenommen. Wie es scheint, so hatten diese Schaedelverlaengerung keine Auswirkungen auf Intelligenz oder Psyche.
Da die Inka davon ausgingen, dass ihre Toten auch nach dem Tod weiterleben, hat man sie unter anderem in derartigen Grabwohnungen bestattet und ihnen in regelmaessigen Abstaenden Essen vorbeigebracht.
Pequeñas tiendas en todas partes
Eine Sache, die ich wirklich ueberaus vermissen werde, sind die allgegenwaertigen kleinen Einkaufsmoeglichkeiten. An jeder Strassenecke gibts eine bis spaetnachts geoeffnete Tienda, und ueberall begegnen einem Strassenverkaeufer mit Bauch- oder Vorsichherschiebelaeden, die von Wasser ueber Lollies bis zu einzelnen Zigaretten (fast) alles zu bieten haben.
Tienda
Hutverkauf
Zuckerrohrauspresser
Donnerstag, 26. Juni 2008
Desto suesser, desto besser
In Peru hat mans gern suess und noch nie zuvor hab ich nur mit Tee-Trinken gemeinsam mit einer anderen Person (AA) in knapp drei Wochen ein Kilo Zucker verbraucht. Sahne gibts keine, dafuer ein komisches Pulver, das Chantilly heisst und aufgeschlagen mit (vermutlich) Milch eine pappsuesse Paste ergibt, mit der man dann das Tortenwerk verziert:
DVD-Kauf
In Peru gibts keine Videotheken oder aehnliches. Es wuerde sich auch kein Mensch CDs oder DVDs ausleihen, da es an jeder Strassenecke und in jedem Einkaufszentrum Geschaefte gibt, in denen sozusagen ganz offiziell schwarz gebrannt alles verkloppt wird, was das Herz nur so begehrt. Da gibts drei Filme (einen Tag nach Kinostart...) auf einer DVD fuer 3 Soles (75 Cent), oder eine DVD-Salsa-Kompilation mit hunderten von Songs fuer 2.50 Soles. Dreamland:)
Dasselbe gilt uebrigens fuer Buecher, allerdings ist es bei diesen doch ein bisschen nervig, wenn einem nach dem zweiten Aufschlagen die Seiten entgegenfallen oder der Setzer (gibts bei Raubkopien einen Setzer?) des Spanischen nicht maechtig war oder der Einfachheit halber hin und wieder ein paar Buchstaben ausgelassen hat...
La Coca
Kokablaetter gibts auf allen Maerkten zu kaufen und vor allem die aeltere Bevoelkerung sieht man oft mit der fuers Koka-Kauen typischen Backen-Ausbuchtung (die man auch in Keramikarbeiten oft erkennen kann). Angebaut wird Koka seit mehr als 5000 Jahren und seither wird die Pflanze fuer allerlei medizinische und spirituelle Zwecke verwendet. Die harten Arbeitsbedingungen waren (und sind wohl auch heute noch) fast ausschliesslich ertraeglich dadurch, dass man seinen Hunger und eventuelle koerperliche Beschwerden durch das Kauen von Kokablaettern daempft(e). Das haben auch die Spanier, nachdem sie die heidnische Pflanze zunaechst verbieten wollten, schnell erkannt und den Koka-Anbau fix gefoerdert, damit die indigene Bevoelkerung auch weiter entsprechend schuften konnte.
Ich hab mir ehrlich gesagt ein bisschen mehr erwartet und war ein bisschen enttaeuscht, als ich so gut wie nichts ausser einem ein bisschen tauben Gefuehl im Mund gespuert habe. Lecker, aber nun wirklich gaenzlich ohne Turn, sind ausserdem Koka-Tee und Koka-Bonbons....
Verwendungszwecke der Kokapflanze (Inka Museum, Cuzco):
Donnerstag, 19. Juni 2008
Perus Praesidenten
Die Peruaner haben ein relativ komisches Verhaeltnis zu ihren Praesidenten. Momentan regiert Alan Garcia, der das Land Ende der 80er Jahre als Praesident bereits mal in den Ruin getrieben hat und wegen Veruntreuung mehrerer Millionen Dollar angeklagt war.
Kuerzlich nun sahen wir unten abgebildetes Werbeplakat fuer die Wiederwahl des Ex-Praesidenten Fujimoris, welcher 2000 ins japanische Exil ging, von dort im Zuge der Geldwaesche und Korruptionsvorwuerfe per Fax seinen Ruecktritt erklaerte und die japanische Staatsbuergerschaft annahm. Momentan steht er wegen Korruption und Menschenrechtsverletzung vor Gericht, nachdem er per internationalem Haftbefehl hinter Gitter gebracht worden war...
Estamos en el Cuzco!
Letzten Freitag morgen war dann die Stunde des tatsaechlichen Abschieds gekommen. Um 8 Uhr morgens haben wir eine 30stuendige Busreise angetreten, die an Spannung nichts zu wuenschen uebrig liess. Dies insofern, als wir ca. 75% der gesamten Strecke auf unbefestigten Landstrassen oder besser gesagt Bergpaessen zurueckgelegt haben, die wegen Schuettelfrequenz noch nicht mal den Gang zur Toilette zuliessen, sofern es ueberhaupt eine gab und man nicht sowieso mit verkniffenem Gesicht aber tapfer auf den naechsten Almuerzo-Stop am warten war. Samstag Abend wars dann aber soweit und der Nabel der Welt, "Cuzco" in Quechua, konnte uns willkommen heissen.
Hier ein paar Bilder von der Fahrt. Die kleinen Linien im Berg sind die Strassen...
Wegen des am 24. Juni stattfindenen Megaereignisses Inti Raymi haben wir zur Sicherheit vorher uebers Netz ein Zimmer (http://www.suyohostal.net/- wir bezahlen allerdings deutlich weniger als auf der Website angegeben) gebucht, und nach einigem Hin- und Her, da unser erstes Zimmer ziemlich scheusslich, dunkel und ohne Warmwasser war, hat man uns (nachdem wir dann zwischenzeitlich schon im Schnellverfahren ein anderes Hotel gesucht hatten) ein wesentlich schoeneres zur Verfuegung gestellt. Wir sind bislang die einzigen Gaeste und geniessen wunderbaren Sonderstatus, zumal der uns betreuende, reizende Robert, der scheinbar im Hotel wohnt und noch zur Schule geht, heilfroh ist, dass wir im letzten Moment doch geblieben sind:)
unser Zimmer:
AA buegelnd fuer seine erste Bewerbungsrunde
eine veritable Sonnenterrasse:
der Innenhof:
Hier ein Beispiel fuer einen typisch peruanischen Heizduschkopf. Wenn wenig Wasser rauskommt, isses kochend heiss, bei viel Wasser (wenn es denn mal "viel" gibt) wirds eisig. Ausserdem besteht Elektroschlaggefahr bei Beruehrung...
Und hier die ersten Bilder unserer Stadtbesichtigung:
Plaza de Armas mit Kathedrale
Nein - keine Schwulen-Flagge, sondern die von Tahuantinsuyu, den vier Laendern des Inka-Reichs
Taeglich gibts bunte Umzuege, die vermutlich mit echter Folklore nur noch wenig zu tun haben, aber die wahrlich zahlreichen Touristenherzen hoeher schlagen lassen.
Denkmal fuer Inka Pachacútec
Denkmal fuers Wasser
AA vor den Grundmauern des Tempels Qorikancha, welcher Mitte des 15. Jhds. waehrend der Herrschaft des 10. Inca, Túpac Yupanqui, gebaut wurde und seinerzeit vollstaendig mit Gold ueberzogen war.
boeser Blick in Richtung einer ziemlich aufdringlichen Strassenverkaeuferin...
Inkamauern, zwischen deren Ritzen nicht mal ein Blatt Papier passt
indigene Josef, Maria und Jesus-Szene, Museo de Arte Popular
frueher Abend
und Gute Nacht!