Donnerstag, 28. Februar 2008

Die Liebe

spielt hier eine grosse Rolle. Vermutlich, weil das Leben vielerorts sonst ziemlich anstrengend und frustrierend ist. Allerorts turteln Paerchen aller Alterklassen auf den Strassen und in nicht wenigen Hauseingaengen isst man sich gerne gegenseitig auf. Wenig hilfreich ist dabei der Umstand, dass die Jugendlichen bis ins Erwachsenenalter zuhause leben und es nicht gerade gang und gaebe ist, seine oder seinen Liebsten ueber Nacht mit nach Hause zu bringen. Dafuer gibts eine Vielzahl guenstiger Hotels, in denen man sich auch stundenweise einmieten kann...
Die Resultate dieses wilden Treibens sind dann in bunte Tuecher verpackt auf den muetterlichen Ruecken wiederzufinden, in denen sie sich ca. die ersten 4 Jahre ihres Lebens aufhalten, sei es im normalen Alltag oder bei der Feldarbeit. Und oft, wenn man meint, diesmal handle es sich doch um einen Packen Gras oder anderes Transportgut (eigentlich wird so gut wie alles auf dem Ruecken der weiblichen Bevoelkerung transportiert...), so rutscht doch ganz ploetzlich ein kleiner Kinderfuss aus dem Tuch ins Freie. Es gibt hier nicht selten Familien mit 5-10 Kindern, fuer deren Betreuung natuerlich kaum Zeit ist. Oft sieht man diese dann beim Schweinehueten auf dem Feld oder in Hauseingaengen rumhocken, wo sie sich selber beschaeftigen muessen.
Dass ich mit meinen 31 noch immer kinderlos und unverheiratet bin, ruft allgemein eine Reaktion hervor, die man wohl am ehesten als eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Mitleid definieren koennte.
Der Auftakt nahezu jedes Gespraeches mit welcher auch noch so wildfremden Person gestaltet sich in etwa wie folgt:

- "Desde cuando eres en Peru?" (Wie lange bist Du schon in Peru?)
- "Tienes hijos?" (Hast Du Kinder?)
- "Soltera?" (Single?)
- "Cuantos anos tienes?" (Wie alt bis Du denn?)

Die Reihenfolge kann leicht variieren. Die hinter der Stirn offensichtlich zu lesende Reaktion ist immer dieselbe: Unglaublich. Du Arme......
Meist wird mir dann geraten, mir schnell einen Peruaner zu suchen, der was zuwege bringt:)

Dienstag, 26. Februar 2008

Fettige Haare

Frueher (will sagen bis vor zwei Wochen...) dachte ich nach spaetestens 2 Tagen, ich muesse mir wirklich dringend die Haare waschen, weil das geht ja gar nicht, auwei, ungepflegt, igitt. Diese Einstellung aendert sich schnell, wenn die Haarwaesche in der kaerglichen Ueberschuettung mit aus einem Becher kommendem lauwarmen Wasser besteht, waehrend man bibbernd in einem Bottich steht.
Und siehe da: selbst nach vier und sogar nach fuenf Tagen finde ich meine Haare mittlweile immer noch durchaus ansehnlich. Die gewohnen sich naemlich ziemlich schnell daran, mit weniger Tensid auszukommen. Probiert's doch mal aus:)

Waschtag

gestern wars mal wieder soweit:



Rasenmaehen

ohne Rasenmaeher geht nicht? Weit gefehlt, denn geht nicht gibts hier nicht. Letzten Sonntag haben wir in dem Haus in Chupaca, in dem ab Maerz die Kinder-Nachmittagsbetreuung stattfinden wird, Ordnung geschaffen. Per Losverfahren bin ich gemeinsam mit Tyler zur Gartenverschoenerung bestimmt worden und war eigentlich, nachdem Ingrid mir die Gartenschere in die Hand gedrueckt hat, davon ausgegangen, ich soll damit dem hoechsten und schlimmsten Unkraut den Garaus machen. Jedoch nein - nachdem ich dieses naemlich mit Ach und Krach mit dem stumpfen Ding in die Reihe bekommen hatte, stellte sich heraus, dass damit eigentlich der ganze Garten GEMAEHT werden sollte. Und da das nun gar nicht ging sind Tyler und ich bald dazu uebergegangen, das Gras mit den blossen Haenden auszureissen, und zwar Quadratmeter fuer Quadratmeter. Und was wie ein Ding der Unmoeglichkeit anmutete, war dann nach einigen Stunden tatsechlich geschafft:



nach getaner Arbeit:


und so sahen meine Pfoten hinterher aus:

Sonntag, 24. Februar 2008

Auf Wanderschaft

Gestern haben wir einen wunderbaren Ausflug gemacht. Erst gings eine Stunde mit dem Bus nach Chongos, wo Ángel Alfredo (also eigentlich heisst er eher Alfredo, daher bleib ich jetzt mal dabei..) mir die dortige Kirche samt Inquisitionsvergangenheit gezeigt hat. Anschliessend haben wir eine dreistuendige Wanderung unternommen, bei der mir doch manchmal ganz schoen die Puste weggebleiben ist. Aber ich bin "muy fuerte", wie mir mehrfach versichert wurde:) Ich hab dann abwechselnd in verschiedenen Sprachen bis zehn gezaehlt und irgendwann sind wir dann auch oben angekommen. Die Natur war traumhaft und die Berge sind wirklich wunderschoen. Und wie froh war ich ueber die Ultra-Super-Anschmiegeschuhe, die ich mir bei Globetrotter geleistet habe.

Nach der Wanderung sind wir in einem Dorf gelandet, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, wo wir einen Fisch verzehrt haben, was wohl offensichtlich fester Bestandteil dieses Trips ist. Dann gings einen weiteren Berg hinauf zu einer archaeologischen Vor-Inka-Staette, deren Namen ich mir auch nicht merken konnte. Von da aus weiter uffe Landstrasse, die Vorbeifahrt eines uns aufpickenden Kombis herbeisehnend, der jedoch nicht kam. Also ins naechste Dorf gelatscht und dort ein Carro bestiegen (das sind in diesem Fall echte Kombis, die ein wenig teurer sind und insgesamt ein Fassungsvermoegen von 10 Leuten haben - der Fahrer, 2 auf dem Beifahrersitz, 3 auf der Rueckbank und nochmal 4 samt Gepaeck im Kofferraum).

8 Stunden spaeter sind wir dann wieder in Huancayo angekommen, wo wir uns in einer gemieteten Kabine Hannibal angesehen haben. Man kann hier naemlich nicht nur das Filmchen bekommen, sondern die Oertlichkeit gleich mit dazu. Da stehen dann in einem minikleinen Raum zwei Gartenliegen und 2 Meter ueber einem haengt ein ultramoderner Fernseher. Das ganze war so unbequem und wir so im Eimer, dass wir nach der Haelfte des Film aufgegeben haben und ich einen weiteren Carro in Richtung Sicaya bestiegen habe...

Auf diesem Pfad haben die Inquisitionsmistkerle ihre Opfer von der Kirche zum Marterpfahl geschleppt, wo sie sie dann zu Tode gepeitscht haben:


Und hier ein paar friedvollere Impressionen:









Alfredo skeptisch. 31/172, Tourguide und "im Hotelfach...", mehr sag ich nich:)

Angela, zufrieden und daheim:

Mehr Fotos

La feria en Chupaca
Nach der durchtanzten Nacht gings dann am morgen des naechsten Tages auf den Markt in Chupaca:


Wo wir in unseren Expand Peru-Uniformen Zettelchen an die Bevoelkerung verteilt haben:




The Crew
Ingrid und Bernabe, die beiden Expand Perus, am Valentinsabend in einem heimeligen Lokal, als wir zum ersten Mal kurz aus waren:


Der Auftakt einer durchtanzten Nacht anlasslich Steffis Geburtstag:

Ingrid, Bernabe, Ángel Alfredo, Rubén, Steffi, ???, Tylor und Omara (letztere beiden Volunteers wie ich)




Mein morgendlicher Weg nach Aco zu den Wawa Wasis:
Hier steh ich immer, waehrend ich (manchmal fast eine Dreiviertestunde) auf meinen Kombi warte. Fahrplaene gibts keine, wenn einer vorbeikommt, winkt man.
Die anderen Leute werden hier mit Spitzhacken ausgeruestet auf Lieferwaegen aufgeladen, um "en la chakra" (auf dem Feld) zu arbeiten.


So sieht´s dann ungefaehr im Kombi aus, es passen aber locker noch mindestens 5 Leute mehr hinein, ausgeruestet mit Huehnern, Teilen der Kartoffelernte oder lecker Gras fuer die Meerschweine...


Aussicht bei schoenem Wetter:


Aussichten bei regnerischem Wetter:




Dieser Kombifahrer hat mir bereits nach 5 Minuten Fahrt seine Liebe gestanden. Das waer ja noch nett und ok gewesen, haette er dann nicht nach beendeter Fahrt die Chuzpe besessen, mir einen Zettel mit seinen Daten mitzugeben, auf dass ich mal eines schoenen Tages, wenn mich die Sehnsucht packt, an einer bestimmten Endhaltestelle auf ihn warten kann. Manchmal frage ich mich wirklich, wo so einige Maenner ihr Selbstbewusstsein hernehmen...


Und hier die Kleinen in einem der WW´s beim Mittagessen:


und in einem anderen beim Fruehstueck:



Mein diesmonatiges Zuhause von aussen:


the kitchen:


meine Aussicht:


die Meerschweinchenzucht:

Donnerstag, 21. Februar 2008

Feuchttuecher

Psind eine grosse Erfindung dieser Zeit. Seien es Eau de Cologne-Frischmachtuechlein, Babypopotuecher, Brillenputztuecher oder dergleichen andere. Vor allem, wenn man sich nie sicher sein kann, wann eine hoffnungsvolle Drehbewegung des Wasserhahns ein nasses Resultat zeitigt, ob die Toilettenspuelung funktioniert und wenn einem Kleinkinder taeglich ihre halbe Mittagsreisportion in den Schoss schuetten oder, waehrend sie einem auf dem Arm sitzen, vergessen Bescheid zu geben, dass eigentlich Pipimachen angesagt ist.

Das ist jetzt keine wahrlich philosophische Reisewahrheitserkenntnis, musste aber trotzdem mal kurz gesagt werden.

¨Huancayo Huancayo Huancayo¨

bruellen die Tueraufundzumacher der Kombis einem an jeder Ecke entgegen und wenn man die Hand hebt, halten sie kurz an und man kann reinspringen. Und derer gibts viele, und daneben nochmal mindestens dreimal soviele Taxis, die um Kundschaft buhlen und sich hupend ueberbieten. Entsprechend beschissen smoggig ist auch die Luft hier in der Stadt und entspanntes Ein- und Ausatmen nicht drin. Und auch sonst ist H. nicht gerade ein strahlendes Juwel der ehemaligen Inka-Hochkultur. Nur ca. ein 5tel der Strassen sind asphaltiert und die meisten Haeuser sehen ziemlich barackig aus. Natuerlich hab ich noch nicht so irre viel von der Stadt gesehen, aber ich erwarte diesbezueglich keine grossen Ueberraschungen. Der Vorteil mangelnder Touristenattraktionen allerdings liegt gegenueber z.B. Cusco in erster Linie darin, hier auf weiter Flur die einzige Gringa zu sein, abgesehen von Steffi und noch ein paar anderen Voluntarios. Dies hat zur Folge, dass man auf der Strasse von vielen Leuten interessiert gemustert wird, allerdings sind die Peruaner sehr freundlich und zurueckhaltend und bis auf einmal ist mir noch keiner bloed gekommen. Wenn man freundlich Buenas Dias oder Buenas Tardes auf die investigativen Blicke entgegnet, mit denen einem eher die aelteren Leute begegnen, sind sie es schnell zufrieden und gehen weiter.

Die Officina von Expand Peru, ein kleines Buerolein, das sie sich mit Rubén und Steffi (die eine Trekking-Agentur haben) teilen, ist im Zentrum neben der oben abgebildeten Kirche gelegen. Momentan befinde ich mich in einem kleinen Internet-Café (die gibt es nun wiederum in jedem Pupsdorf an jeder Strassenecke) nebenan und warte auf Ingrid, damit wir gemeinsam einen Handy-Chip kaufen gehen, auf dass ich meine Dates in Zukunft besser organisieren kann:)

Love Letter

Ich habe meinen ersten Liebesbrief bekommen (ersten klingt auch gut - so als wuerde ich erwarten, von nun an dauernd derart beglueckt zu werden...)

Und nachdem ich ihn nun nach einigen Muehen und mit Stefanies Hilfe (die ausserdem á la Romeo und Julia die Ueberbringerin war und zur Mittelsperson bestimmt wurde), kann ich soviel dazu sagen:

Ihr lieben deutschen Maenner, drunter mach ichs nimmermehr:)
Da muesstet ihr Euch nach meiner Rueckkehr ganz schoen ins Zeug legen, um DAS zu toppen! Die schoenste Frau der Welt darum bitten, gemeinsam mit ihr dieselbe Luft atmen und in ihre wunderschoenen Augen blicken zu duerfen...

Kennengelernt haben wir uns am Valentinstag und sein erster Vorname ist Ángel - wenn das nicht vielversprechend klingt, weiss ich auch nicht mehr.

Mittwoch, 20. Februar 2008

Algunas Fotos

Mein Reich im Haus von Senora Lourdes y Senor Edmondo:


Die Hauptstrasse von Sicaya, wo ich den ersten Monat verbringen werde:


5 Minuten, nachdem uns der Stein ins Fenster geknallt ist, auf dem Weg ins Andenhochland:


Algunas Impresiones de Lima:





Schmeckt scheusslich. Darf man aber nicht laut sagen...





Ein paar Abschiedsbilder vom Flughafen:



bisschen uebernaechtigt...

Montag, 18. Februar 2008

Fussball, Spanisch, Tanzen und Magenverstimmung haben

Sorry fuer die lange Pause, die letzten Tage waren ungeheur voll...
Mittlerweile hab ich in drei Wawa Wasis geaerbeitet und bin zu dem Schluss gekommen, dass das doch nicht so gaaaanz einfach ist:) Vor allem insofern, als die Kinder eine Spielecke haben, deren Bestueckung sie im Schlaf kennen und deren Spiele sie mit geschlossenen Augen durchjuckeln koennen. Also null Herausforderung. Und in den kleinen Innenhoefen, die ausserdem zum Spielen zur Verfuegung stehen, liegt meist nur ein Haufen alter Balken und Steine rum. Platz gibts auch keinen. Und richtig kommunizieren koennen wir ja auch nicht, was die Sache nicht gerade einfacher macht. Also hab ich mich in den ersten Tagen vor allem aufs Fussballspielen kapriziert und mache mich trotz duenner Luft langsam als Torwartin. Mit dem bei einem abendlichen Kuechengespraech mit einem ca. 8jaehrigen Nachbarsjungen als "bestem Torwart der Welt" identifizierten Oliver Kahn kann ich es allerdings noch nicht aufnehmen. Ansonsten gabs bislang Balanzieren auf Holzstangen und in der Luft rumwirbeln bis zum Casi-Rueckenbruch - eine funktionabler Dauerbrenner... Gestern allerdings hab ich mich in Huancayo mit einigen Saetzen Malstiften und Ausmalbuechern eingedeckt, die ab morgen zum Einsatz kommen. Und Hoolahoop-Reifen. Problematisch ist ja auch, dass die Kinder von 0 bis 3 Jahren alt sind und es schwierig ist, etwas zu finden, was alle in irgendeiner Form beschaeftigen kann. Die Grossen fordern die meiste Aufmeksamkeit, obwohl die kleinen wie mir scheint deutlich mehr Foerderung noetig haetten. Na, man lebt und lernt. Mal sehen, wir sich meine Qualitaeten als Kindergarten-Tia in den kommenden Wochen noch entwickeln werden.
Im Moment kaempfe ich allerdings mit einer ordentlichen Magenverstimmung (entsprechend haenge ich hier auf dem Stuhl vor dem ohnehin mindestens einen halben Meter zu niedrig angebrachten Bildschirm rum), die mir vermutlich das halbe Kilo Bohnen eingebracht hat, das ich heute zum Fruehstueck verzehrt habe. Neben dem Maiskolben mit Kaese und dem Kuerbistee. Wenn ich jemals den Gedanken gehegt habe, in 5 Monaten mit 10 Kilo weniger auf dem Hueften heimzukehren, hab ich mich glaub ich ziemlich geschnitten. Aus keinem Haushalt gibt es ein Entkommen, bevor man nicht mindestens einen Teller oder eine Schuessel einer kompletten Mahlzeit verzehrt hat. Vor allem Ingrids Mutter ist darin Spezialistin:)
Ansonsten hab ich meinen Spanisch-Kurs begonnen, bei Stefanie, die vor einiger Zeit beim Volunteering Ruben kennengelernt und geheiratet hat (Anm. d. Red.: Es gibt DURCHAUS grossgewachsene Peruaner!!) Also doch ein klein bisschen deutsche Ansprache, die wir beide glaube ich sehr geniessen. Vorgestern hatte sie Geburtstag (wozu es von mir das ausgelesene "Orakel von Port Nicolas" gab - ihr seht, ich bin immer noch im Dienst:); ist aber nicht gerade eines von Freds Glanzstuecken, wie ich doch mal kurz loswerden muss...) und so habe ich meine erste durchtanzte Disco-Nacht erlebt. Viva los anos ochenta!! Ueber Modern Talking hab ich mich schon lange nicht mehr so gefreut (Dieter Bohlen ist hier neben Olli K., Michael Ballack und Jens Lehmann durchaus ein Begriff!!) Das ganze gemischt mit la musica sudamericana. Zwei Discos hab ich kennengelernt, eine so ein bisschen das Berliner Eck in ganz gross mit zwei Etagen, in der zweiten sollte mittels als Scheichs verkleideter Ober der Hauch des Orients erzeugt werden. Ich freu mich schon auf das naechste Mal! Und Salsa lern ich auch noch!
Nach 3 Stunden Schlaf bei Ingrid gings dann weiter in ein kleines Dorf namens Chupaca, in dem das Casa Project von I. und B. angesiedelt ist, in dem ich in einem Monat arbeiten werde. Dort auf dem Markt zwischen Kuehen, Schweinen, Schafen und Wunderheilern haben wir dann Zettel verteilt, die die Landbevoelkerung einladen sollen, ihre Kinder nach der Schule nachmittags in der Casa abzugeben, wo wir dann mit ihnen spielen und die Hausaufgaben machen. Das Zauberwort dabei war GRATIS. Mal sehen, wieviele ueberhaupt imstande waren, den Zettel zu lesen und wieviele auftauchen werden.
Ansonsten hatte ich heute meinen ersten Waschtag. In Bottich 1 wird das Waschpulver aufgeloest, in Bottich 2 wird zwischengespuelt und in Bottich 3 wird dann alles sauber. Aber immer noch ein wesentlich groesserer Luxus als ihn jene Leute geniessen, die ihre Waesche am Fluss waschen muessen. Na, und anschliessend wird alles neben den Meerschweinchen aufgehaengt:) Dass es kein warmes Wasser gibt, hatte ich erwaehnt, oder? Lediglich fuer meine erste laendliche Dusche vorgestern wurde auf dem Herd ein bisschen warmes Wasser aufgewaermt, welches ich mir dann - selbst in einem Bottich stehend - mit einer Kaffeetasse sparsam ueber den Kopf und den Rest gegossen habe. Und was soll ich sagen - es geht alles! Es ist mir sogar gelungen, mir die Beine zu rasieren:) Denkt an mich, wenn ihr das naechste Mal unter einer heissen Dusche steht oder gar in eine Badewanne eintaucht. Oder die Klospuelung betaetigt und sich tatsaechlich irgendein Mechanismus in Gang setzt. Nein, das ist jetzt gemein - 50% der Zeit funktioniert die Spuelung durchaus.
Ausserdem war ich heute bei einer der Toechter von Senora Lourdes zum Essen eingeladen, hab aber, mich mit Magenschmerzen windend, in erster Linie Mitleid als gute Unterhaltung hervorgerufen. Da kam es mir schon sehr entgegen, danach mit der Tochter des Hauses Shakira-Videoclips zu kucken und sie beim Tanzen anzufeuern. Ich hoffe, morgen hat sich das gelegt und ich kann wieder aufrecht meinen Olli geben.
In den naechsten Tagen werde ich sehen, ob es mir gelingt, auch mal ein paar Fotos hochzuladen, damit ihr Euch mal ein besseres Bild machen koennt.
Seid herzlich gegruesst und hasta pronto!

Dienstag, 12. Februar 2008

In the Middle of Nowhere

So. Ich wollte Abenteuer und Entbehrung - das hab ich nun davon. Heute morgen bin ich mit Ingrid in einem "Kombi" (in Dtl. wuerden da vermutlich maximal 10 Leute reinpassen, hier locker mindestens 25) nach Sikaya gefahren, wo ich bei Senora Lourdes, dem Gatten Senor Edmondo und Sohn Junior untergebracht bin. Ueber mir auf dem Dach ist eine Meerschweinchenzucht (Verzehr aber nur an Festtagen) und fliessendes Wasser ein hehrer Traum. Und es ist schon wirklich ziemlich kalt. Die beiden sind aber total reizend und machen die Entbehrungen vollends wett und meine erste Schuessel Hammelfleischssuppe hab ich mir auch schon einverleibt (zugegebenermassen war das allerdings ein ziemlicher innerer Kampf, der allerdings wohlwollend gewuerdigt wurde...).
Kurze Zeit spaeter kam dann auch Bernabe nach und zu dritt sind wir dann in den naechsten Kombi gestiegen, der uns eine halbe Stunde noch tiefer ins Andenhochland verfrachtet hat, genauer gesagt nach Aco. Dort werde ich im kommenden Monat in fuenf verschiedenen Wawa Wasis (Quechua fuer Kindergarten) arbeiten, jeden Tag abwechselnd in einem anderen. Die sind wir dann heute gemeinsam mit Maria, sozusagen der Wawa Wasi-Chefin, abgelaufen, damit ich mir ungefaehr aufmalen konnte, wo ich dann immer so hin muss und wie die einzelnen Madres heissen, denen ich zur Hand gehen werde. In jedem WW sind 8 Kinder im Alter von 0-3 untergebracht, waehrend die Eltern der Feldarbeit nachgehen. So wird gewaehrleistet, dass die Kinder nicht den ganzen Tag eingesperrt in der Huette verbringen und ein bisschen stimuliert werden. Die Kinder sind herzerwaermend suess (postkartenmotivisch...), die Lebensumstaende allerdings der blanke Horror. Der Nachmittagsschlaf wird in regelrechten Verschlaegen verbracht, fuer die man in Deutschland den Tierschutz holen wuerde, wuerde man dort einen Hund eingesperrt finden.
Da ich ja noch nie wirklich mit Kinden zu tun hatte, bin ich natuerlich schon ein bisschen nervoes, aber ich denke, dass wohl jede Art von Zuwendung schon ein grosses Stueck weiterhilft (Liebstes Ninchen, wie gerne haette ich dich jetzt an meiner Seite:)!).
Morgen gehts also los. Ingrid und Bernabe werden mich in den kommenden zwei Tagen noch begleiten und ab naechste Woche bin ich dann auf mich allein gestellt. Wenn mir hier in der Einoede allerdings das Meerschweinchendach auf den Kopf faellt, kann ich jederzeit nach Huancayo und das Wochenende bei Ingrid und ihren Eltern verbringen. (Hier bist Du, Alexandra, schon herzlich eingeladen und steht ein Bett fuer Dich bereit, wenn Du Dich entschliesst, mich zu besuchen!!)
So, und jetzt werd ich noch ein bisschen durch die staubigen Strassen wandeln (als Gringa eine ganz besondere Erfahrung:) und mich noch mit einer ordentlichen Ladung Wasser eindecken. Und dann leg ich mich hin. Gute Nacht!

Montag, 11. Februar 2008

Trip to the Andes

Eigentlich sollte die Fahrt nach Huancayo 7 Stunden dauern. Ploetzlich jedoch machte es in einer Schlucht hinter mir einen lauten Knall und es ist geschehen, wovor man sich immer fuerchtet, wenn man entsprechende Schilder in heimischen Gefilden sieht (wo dann ja aber in der Reegel nichts passiert) - meinem Hintermann und dem dahinter donnert nach einer Steinattacke die Scheibe in den Schoss. Scheisse. Nachdem es erst schien, er haette sich nichts getan, zeigte sich, dass er offenbar doch eine Verletzung davongetragen hat und nun sollte auf die Schnelle ein Antibiotikum organisiert werden (weiss der Himmel, wofuer...). Das ist aber an einem Sonntag inmitten von Riesengebirgen nicht so einfach. Gut, irgendwo haben wir dann in einer Ansiedelung angehalten und einen Medizinmann gesucht, was aber dann auch die Polizei auf den Plan rief, die sich die Sache ansah und bei der dann erst noch Anzeige oder irgendwas erstattet werden musste.
Zwei Stunden spaeter gings dann weiter, but not for long. Denn dann kam der Schnee. Und nicht nur ein bisschen Schnee, sondern ein SCHNEESTURM. Es ging weder vorwaerts noch rueckwaerts und einen kurzen Moment hatte ich die nicht von allzu weit hergeholte Angst, der Bus kippt gleich um. Nun, auch diese Episode nahm so einige Stunden in Anspruch und im Schneckentempo ging dann irgendwann weiter den Berg hinauf.
Waehrenddessen setzte dann auch die obligate Kurzatmigkeit, gepaart mit bohrenden Kopfschmerzen ein, gluecklicherweise konnte ich dann allerdings einige Stunden in rettenden Komaschlaf versinken. Statt um 8 kamen wir schliesslich um 1 Uhr morgens in H. an, wo Ingrid und Barnabe fuenf geschlagene Stunden auf mich gewartet haben.
Bei Ingrid hab ich dann auch uebernachtet und ihre Mama hat mir gegen die Hoehenkrankheit gleich erstmal einen Kokatee gekocht (klingt allerdings spannender, als es ist - den gibts abgepackt im Supermarkt zu kaufen). Die Nacht war dann eine ziemlich schmerzhafte, und ich weiss nicht, ob ich durch die Migraene anfaelliger fuer die Hohenkopfschmerzen bin oder ob meine Schmerzgewoehnung mir eher zugute kommt. Naja, wie dem auch sei.
Heute gehts ein bisschen besser und ich hoffe, die Sache ist in wenigen Tagen ueberstanden.
Morgens kam dann auch gleich Barnabe vorbei und die beiden haben mich nochmal ueber das Programm und die Ablaeufe informiert. Ich werde nun doch in der rural area mit der Arbeit beginnen, da die Arbeit dort haerter ist und andere Volunteers es als angenehm empfunden haben, dann in der zweiten Arbeitsetappe in der Stadt zu arbeiten, wo es ein bisschen "reicher" ist. Und so werde ich das dann auch machen. Momentan sitze in in Barnabes Buero und die beiden zeigen mir gleich noch ein bisschen die Stadt.
Mehr bald.

Sonntag, 10. Februar 2008

Ich bin da!!!!!

Gestern die Ochsentour von 20 Reisestunden hinter mich gebracht, doch die Zeit ging wie im Flug vorbei. Alles, weshalb ich mich vorher verrueckt gemacht habe, war ueberhaupt kein Problem: Sowohl das Umsteigen in Atlanta ging problemlos, nachdem ich mich forever in die amerikanische Terrordatei habe aufnehmen lassen (Fingerabdruecke und Foto...) durfte ich ein und auch gleich wieder ausreisen. Und nach Peru hat man mich ganz einfach reingelassen, obwohl ich keine Adresse eingepackt hatte, die ich auf dem Einreiseformular haette angeben koennen. Pero no problemo. Auch mein Rucksack lag nach langen, uebernaechtigten 45 Minuten und leiser Panik dann doch auf dem bloeden Fliessband, womit die vorletzte Huerde genommen war. Jetzt nur noch hoffen, dass ich auch wirklich abgeholt wuerde. Und das sieht hier doch ein bisschen anders aus als bei uns: Hier stehen ungelogen mindestens 500 Leute vor der Tuer, aus der man den Gepaeckbereich verlaesst, strecken einem unzaehlige Schilder mit den unverstaendlichsten Namen entgegen oder wollen Dich in ihr Taxi verfrachten. Aber da hatte ich sie auch schon entdeckt, meine reizenden Abholer: Carolina samt Mutter und novio. Nach einer langen Fahrt sind wir dann in dem Hostal ihres Onkels in Miraflores (scheint so ein bisschen das Charlottenburg Limas in Kreuzung mit der Simon-Dachstrasse zu sein) angekommen und es ist schon abgemacht, dass ich nach meiner Zeit in Huancayo wieder hierherkommen werde und wir gemeinsam die Stadt erkunden.
Bisschen geschlafen hab ich dann tatsaechlich auch noch, so um halbdrei Ortszeit (bei Euch halb neun Uhr morgens), bis ich heute morgen um sechs durch einen Fernseher geweckt wurde, der sich qasi neben meinem Kopfkissen im Nebenzimmer befand. Also doch Ohrstoepsel.
Naja, und was soll ich sagen? Heute morgen beim Fruehstueck hab ich schon die erste reizende Bekanntschaft gemacht, bin ein bisschen die Calle Fernando Prado entlanggeschlendert und gleich machen wir uns auf zur Busstation, von wo es dann ab in die Berge geht. Hab mich gut homoeopathisch prepared und hoffe, ich kann die Hoehe gut ab.
Hab ich uebrigens schon erwaehnt, dass hier SOMMER ist? Ich sitze hier im Traegershirt und hab mir vorhin glaub ich schon den ersten Sonnenbrand eingefangen. Herrlich:)
Auch in der Kirche bin ich bei meiner Erkundungstour schon gelandet und obwohl Grossstadt, sind die Kirchen hier janz schoen voll.
Mehr gibts im Moment nicht zu berichten. Pack mich jetzt schnell zusammen und weiter gehts.
Seid herzlich gegruesst!!!

Freitag, 8. Februar 2008

Helmut

Heute Mittag habe ich erfahren, daß mein lieber Freund Helmut letzte Woche gestorben ist. Zwei Stunden später fand dann auch schon die Beerdigung statt.

Mein lieber Helmuti,
wir haben gemeinsam eine wilde und wundervolle Zeit erlebt. Ich hatte bei Dir über eine lange Zeit hinweg ein zweites Zuhause. Es bricht mir das Herz, mir vorzustellen, niemals wieder aus Deinem Mund ein laut gebrülltes ANGELINA zu hören.
Ich nehme Dich im Herzen mit nach Peru und werde Dich niemals vergessen.
Deine A.

Heim nach Bayern

Nach der Schlüsselübergabe am Dienstag gings dann heim ins Herz der Hallertau nach Pfaffenhofen,



wo es neben der CSU durchaus andere Wahlmöglichkeiten gibt:
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um dort des Vaters neue Freundin kennenzulernen, mit Muttern zum Abschied zu frühstücken und s' Schwesterle, meine in meiner Abwesenheit Generalfürallesbevollmächtigte, in meine Geheimdokumente einzuweisen:)