Samstag, 11. April 2009

La Boda


We did it!
Seit letzter Woche sind wir nun ein Ehepaar und haben eine wunderbare Flitterwoche hinter uns, die für all den Organisationskram, durch den wir uns in den vergangenen Monaten hindurchwühlen mußten, entschädigt hat.
Und mit diesem Happy End endet nun auch dieser Blog, welcher mich vom ersten Entschluß, nach Peru zu gehen, bis zu diesem seinerzeit unerwarteten und schönen Abschluß, beziehungsweise dem Anbeginn dieser neuen Reise begleitet hat.
An dieser Stelle daher mein herzlicher Dank und ganz liebe Grüße an alle, die das vergangene Jahr hier mit mir geteilt haben!
Es lohnt sich, auf seine innere Stimme zu hören und sich seine Träume zu erfüllen, entgegen aller ach so vernünftigen Unkenrufe!! Hugh:)

Sonntag, 25. Januar 2009

A sudden engagement

Soderla. Wieder zurück, eingelebt, ausgelebt, umgezogen und neuen Job begonnen. Die Situation in der neuen alten Heimat ist nun also wieder halbwegs geregelt. Fehlt nun aber noch der Mann, der ja in good old Peru zurückgeblieben ist. Wie nun weiter verfahren? Nach meiner Rückkehr im Juli letzten Jahres haben wir darüber beraten, wie wir am besten wieder zueinander finden können. Die Wahl viel (das klingt jetzt vielleicht pragmatischer, als es war) aufs Heiraten. Ein Besuchervisum wäre ein riesiger Aufwand gewesen und die Chancen, ein solches zu bekommen, minimal. Und hätten wir dann während seines Besuchs beschlossen, zu heiraten, hätte er erst wieder ausreisen müssen (sonst hätten wir uns des Viusmsbetrugs verdächtig gemacht), und wir hätten anschließend ein Heiratsvisum beantragen müssen. Da wir uns ziemlich sicher waren, daß schlußendlich doch alles auf eine Heirat hinauslaufen würde, haben wir also beschlossen, uns unnötige Warte- und Beantragungszeiten (und auch Kosten) zu sparen, und gleich das Heiratsvisum in Angriff zu nehmen. Und damit sind wir nun sage und schreibe seit einem halben Jahr zugange. Bis AA in Peru die nötigen Unterlagen wie Geburtsurkunde, Wohnsitzbescheinigung, Ledigkeitsbescheinigung und Beitrittserklärung beisammen, beglaubigt und legalisiert hatte, vergingen bereits einige Wochen. In dieser Zeit hat er dann auch schon den vorgeschriebenen Deutschkurs im Goethe-Institut absolviert. Die Unterlagen habe ich dann auf dem hiesigen Standesamt eingereicht, welches die Papiere ans Oberlandesgericht weitergereicht hat. Dieses hat ihn wiederum 2 Wochen später vom Ehefähigkeitszeugnis freigestellt. Daraufhin konnte er einen Haufen weiterer Unterlagen (inkl. einer Interpolbescheinigung, daß er kein international gesuchter Krimineller ist, sowie ein Zahngutachten für den Fall, daß er hier um die Ecke gebracht wird) bei der deutschen Botschaft in Lima einreichen. Diese wiederum hat sich dann mit der hiesigen Ausländerbehörde in Verbindung gesetzt, von der ich diese Woche den Bescheid bekommen habe, daß das Visum zum Zwecke der Hochzeit genehmigt wurde:::))))!!!!

AA kann also Ende Februar nach Deutschland einreisen und dann haben wir 2 Monate Zeit, um zu heiraten. Und das werden wir dann auch tun! Und dann beginnt mit Sicherheit eine ziemlich spannende Zeit, für uns beide...

Mittwoch, 7. Januar 2009

Jobsuche

Nachdem ich mich nach meiner Rückkehr ungefähr einen Monat wieder sortiert und eingetacktet hatte, konnte es also losgehen mit dem Bewerbungs-
marathon. Methodisch wie ich bin, hab ich mich also erstmal in jede erdenkliche Jobbörse eingeschrieben, ein Stellenblatt für Geisteswissenschaftler abonniert ("Arbeitsmarkt" vom Wissenschaftsladen Bonn, wers noch nicht kennt) und an meinen Bewerbungsunterlagen gebastelt. Da kann man sich schon einige Zeit mit beschäftigen, bevor es so richtig ans Rausschicken geht...
Nicht, daß ich mir nun wirklich ernsthafte Sorgen gemacht hätte, nirgendwo unterzukommen. Aber so ein bißchen verunsichert war ich natürlich auch, zumal die Lage ja nun allgemein und im besonderen bei uns Feingeistern nicht gerade als blühend bezeichnet werden kann. Außerdem konnte ich natürlich noch nicht so recht einschätzen, wie eventuelle zukünftige Arbeitgeber auf meinen Ausbruch aus dem Berufsleben reagieren würden...
Umso erfreuter war ich, auf beinahe alle meine Bewerbungen hin zu einem Gespräch eingeladen worden zu sein - ok, zugegebenermaßen waren das auch nur knapp eine Handvoll:) Und meine Auszeit in Peru spielte in den Gesprächen entweder gar keine Rolle oder wurde mit Interesse wahrgenommen.
Aber je konkreter die Lage, desto drängender die Frage: Was ist mir wichtig im Leben??? Will ich in der Stadt wohnen bleiben, die mir so sehr ans Herz gewachsen ist, in der alle meine Freunde wohnen, die Kultur blüht und das Leben noch bezahlbar sind?? Und dafür aber im Zweifel einen Job annehmen, der mir vielleicht nicht so ganz entspricht? Oder den Fokus auf einen tollen und erfüllenden Job legen, dafür aber Abstriche im Privatleben machen? Nun, schließlich verbringt man ja nicht gerade wenig Zeit am Arbeitsplatz...
So ging das Kopfkarussell hin und her und hin und her und im Kreis herum und die Entscheidungsfindung viel sehr, sehr schwer.
Schlußendlich habe ich mich dann für den tollen Job entschieden. Mit netten Kollegen in einem schönen Arbeitsumfeld und wunderbaren Produkten, die ich in die große weite Welt verkaufe. Berlin vermisse ich trotzdem schmerzlich, aber wer nicht wagt, der eben auch nicht gewinnt. Und wer weiß, wofür es gut ist und wohin mich dieser nun eingeschlagene Weg irgendwann führen wird:)

Sonntag, 28. Dezember 2008

Agentur für Arbeit

Mittlerweile ist ja nun doch so einige Zeit ins Land gezogen und vieles hat sich in den vergangenen Monaten getan. Bevor ich diesen Blog aber tatsächlich abschließe, möchte ich noch einige Erlebnisse nachtragen, die sich in den letzten Wochen ereignet haben.
Da war zum einen meine Meldung auf dem Arbeitsamt, welche alptraumhafte Züge trug...

Sowieso schon ziemlich eingeschüchtert (man meldet sich ja schließlich nicht täglich arbeitslos) erschien ich also einige Wochen nach meiner Rückkehr in der Agentur für Arbeit, um mich einzureihen in die lange Liste von Deutschlands verborgenem Schatz an ungenutztem Arbeitspotential.

Im folgenden zitiere ich aus dem Beschwerdebrief, den ich zwei Tage nach diesem denkwürdigen Besuch aufgesetzt habe:

Als ich das Zimmer der für mich zuständigen Dame betrat, die sich mir nicht namentlich vorstellte, merkte ich sogleich, daß sehr schlechte Stimmung herrschte, noch bevor ich überhaupt irgendeinen Ton vorgebracht hatte. (...) Ich reichte ihr vorsichtig meine Unterlagen und verhielt mich auch im weiteren still und zurückhaltend. Dann bemerkte ich allerdings (die Dame geriet immer mehr in Wut hinter ihrem Computer, da dieser nicht so wollte wie sie), daß mir ein Fehler beim Ausfüllen meiner Formulare unterlaufen zu sein schien. Als ich die Dame auf diesen hinweisen wollte, wurde ich mit schroffen Worten angewiesen, still zu sein. Ich wollte dennoch vermeiden, daß falsche Angaben in den Computer eingegeben würden und trat um den Schreibtisch herum, um auf die Zeile hinzuweisen, in der mir der vermeintliche Fehler unterlaufen war. Dieser Tatbestand hatte nun zur Folge, daß ich sogleich auf eine Weise angeschrien wurde, wie sie mir im Laufe meines gesamten Lebens noch nicht widerfahren ist:

Ich solle mich sofort wieder auf meinen Platz setzen, das sei ja wohl unglaublich, was ich mir einbilden würde, ich wisse ja gar nicht, was hier alles so passiere und was mir eigentlich einfalle, mich von meinem Platz wegzubewegen in Richtung ihres Schreibtisches etc.

Als ich darauf völlig entsetzt meinte, es täte mir leid, ich wolle ihr ja wirklich nichts Böses, ging es in folgendem Tenor weiter:

Es sei ja sowieso ganz unglaublich, daß die Angestellten des Amtes gezwungen seien, sich alleine mit den Kunden in einem Raum aufhalten zu müssen und was da alles passieren könne etc.

Mein Nervenkostüm wurde angesichts des Geschreis immer dünner, ich war mir wahrlich keiner Schuld bewußt und fühlte mich in die Rolle einer gefährlichen, wenn nicht sogar ihr Leben bedrohenden Kriminellen gedrängt. Unter Tränen rutschte mir dann der Satz "Sagen Sie mal, sind Sie verrückt geworden?" heraus (ich weiß, in dieser Situation keine besonders kluge Aussage, aber meinem Gefühlszustand entsprechend), was eine erneute Attacke folgenden Wortlautes zur Folge hatte:

VERRÜCKT geworden, was meinen Sie eigentlich, soll ich Sie anzeigen oder was?? Das ist ja wirklich unglaublich, was man sich hier alles bieten lassen muß etc.


Bis dato hatte ich wirklich geglaubt, solche Szenen könnten nur von äußerst fantasiebegabten Drehbuchautoren erfunden werden, in deren Folge der derart beschimpfte Arbeitslose schließlich tatsächlich durchdreht und dann die ganze Belegschaft abknallt. Vielleicht hat auch die mir zugeteilte Dame zuviele Krimis dieser Machart gesehen, im schlimmsten Fall ist sie tatsächlich schon von verzweifelten "Kunden" bedroht worden. Das täte mir sehr leid, aber dann erwarte ich, daß derart traumatisierte Angestellte in den Innendienst versetzt, therapiert und von "uns" ferngehalten werden.
Oder lag es vielleicht doch an mir? Denn ich scheine irgendetwas an der ganzen Sache doch irgendwie falsch verstanden zu haben, wie mir wiederum einige Wochen später per Brief vom zuständigen Teamleiter mitgeteilt wurde. Einige unglückliche Umstände seien da wohl zusammen gekommen (...???????????????????). Nun ja, wenigstens hat er sich entschuldigt, mehr kann man wohl nicht erwarten.
Meinerseits sei an dieser Stelle bereits jenen mein Mitgefühl ausgesprochen, die zukünftig in die Fänge dieser Rachegöttin geraten werden...

Sonntag, 7. September 2008

1A-Umzüge keineswegs so 1A....

Am nächsten Tag bis um zweie war dann das Nötigste geputzt und konnten meine 28 eingelagerten Karton wiederkommen.
Es kam dann auch, aber anders....
Nachdem ich den Möbelschleppern zur vereinbarten Stunde mittels Türsummer Eintritt verschafft hatte, wartete ich für mein Gefühl verhältnismäßig lange, bis ich endlich jemanden auf dem unteren Treppenabsatz hörte. Wild schnaufend und das verdammte Gewicht verfluchend.

Hmmmmmmmmm, komisch, dachte ich so bei mir, so Möbelpacker sind doch eigentlich andere Kaliber als meine mickrigen Umzugskartons gewöhnt.

Als dann kurze Zeit und einiges Gewuchte später auch noch der Ruf nach einem Tragegurt an mein Ohr drang, hielt ich die Zeit für gekommen, doch mal eben nachzusehen, wie meine Kartons zwischenzeitlich derart an Gewicht zugelegt haben konnten, bzw. mit welchen Hämpflingen ich es hier zu tun hatte. Mittlerweile bereits auf der dritten Treppe angekommen, strahlte mir ein riesengroßer, blendendweißer Kühlschrank entgegen, darüber ein leuchtendroter aufgequollener Kopf, der sich bei mir über das Gewicht dieses Monsters echauffierte.

Aha, ist ja alles schön und gut, ABER: Das ist nicht mein Kühlschrank!!!
Waaaas??? Das kann nicht sein!!!! Der stand auf dem Platz in der Halle, an dem Ihr Name hing!!!

Mir schwante mittlerweile Böses, doch hoffte ich noch, daß es mit dem Zurückbringen des Kühlmonsters in den Lieferwagen getan sein würde und dann mit dem Ausladen meiner Kartons begonnen werden könnte.
Kartons????? In unserem Lieferwagen gibts keine Kartons!! Aber die Küche ist schon von Ihnen, oder????
Ok, langsam wurde es zuviel des Guten. Nein - meine Küche steht eingebaut noch stets an ihrem angestammten Platze und ich will jetzt bitte SOFORT wissen, wo mein gesamtes Hab und Gut abgeblieben ist!!!!

Einiges wildes und vornehmlich türkisches Hin- und Hertelefonieren später stellte sich heraus, daß der Hallenmeister offenbar Scheiße gebaut hatte. Die beiden in meiner Küche stehenden Herren waren extra um sechs Uhr im Lager angetanzt, um die Sachen abzuholen. Und jetzt alles für die Katz. Was nun weiter geschehen würde, konnte mir allerdings auch keiner sagen. Der Chef würde sich dann bald bei mir melden, sagten sie mitleidig, und zogen von dannen. Tat er aber nicht, der Chef. Erst nach mehreren Anrufen meinerseits bequemte man sich, schon leicht genervt (!!!), mir die Auskunft zu erteilen, daß meine Kartons nicht verschwunden seien und noch am selben Abend, so gegen 9, geliefert werden würden.
Und so wurde es neun, dann zehn, dann elf. Da ich nur die Handynummer des mittäglichen Fahreres gespeichert hatte, begann ich diesen nun zuhause zu dieser nächtlichen Stunde mit zaghafter Nachfrage zu belästigen. Dieser wiederum rief dann den Chef an, der dann wiederum mich anrief, um mir mitzuteilen, daß der Laster sich in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung befände, nur ein paar Straßen weiter. Auch für ein paar Straßen weiter kann man augenscheinlich eine Ewigkeit brauchen und so fuhr der Laster weit nach Mitternacht vor meiner Türe auf. Mit höchst mürrischen Gesicht entstieg diesem dann ein ruppiger und unsympathischer Kerl, der ohne zu grüßen erstmal die 200 Euro Liefergebühr einforderte. Als ich daraufhin meinte, bei diesem grauenvollen Service nicht mehr bereit zu sein, diese Summe zu bezahlen, stieg er postwendend wieder in den Wagen und weigerte sich, mir mein Eigentum auszuhändigen. Nachdem ich meinte, ich hätte dies bereits seinem Chef mitgeteilt, folgten erneute, mit wütender Stimme geführte türkische Telefonate und endlich wurde die Klappe des Laderaums geöffnet. Allerdings begann der Kerl beim Rausladen eine erneute Diskussion um die Kohle und meinte, er hätte nun kein Benzingeld und überhaupt würde sein Chef ihm alles, was ich nicht zahlen würde, vom Gehalt abziehen. Ich bin manchmal ein bißchen zu naiv, war in der mitternächtlichen Horrorsituation ziemlich eingeschüchtert und wollte einfach nur noch meine Sachen wieder in meinen Besitz bringen. Also hab ich ihm die 190 Euro, die ich in der Tasche hatte, in die Hand gedrückt.

Wenn ihr jetzt aber meinte, daß dies dazu führte, daß man die Kartons nun ENDLICH in meine Wohnung schaffen würde - weit gefehlt!! Die wertvollen Stücke wurden unten im Gang abgeladen und dann tat sich erstmal lange gar nichts. Währenddessen fing mein reizender und hilfsbereiter Nachbar, der zufällig Zeuge des ganzen Szenarios geworden war, nun selber an, meine Sachen hochzuschleppen. Und dafür hab ich jetzt knapp 200 Flocken bezahlt? Es folgte ein erneuter Anruf beim Chef, über dessen Handynummer ich mittlerweile verfügte, der mir versprach, seine Leute ordentlich "zusammenzuscheißen". Am Beifahrer, dem armen Helfershelfer des großen Arschlochs, ist dann schließlich die ganze Arbeit hängengeblieben, der andere hat keinen Finger gerührt. Der Chef, von dem ich eine Rückerstattung der bezahlten Kosten forderte, lachte mich daraufhin aus und meinte, ihm seien ja schließlich doppelte Kosten entstanden.
Kann ich vielleicht was dafür, wenn die Leute mit analphabetischen Hallenmeistern zusammenarbeiten??
Oberdreist hat er mich dann noch eingeladen, in der kommenden Woche zu einem Kaffee in seiner Spedition vorbeizukommen, wobei man dann nochmal über alles reden könne. Und wenn nicht, dann käme er mal bei mir vorbei. Tat er natürlich nicht und damit tat er auch gut.

An dieser Stelle also meine Warnung vor diesem unfähigen, ungehobelten und unangenehmen Unternehmen in der Berliner Seestraße 108.

Freitag, 5. September 2008

Erstmal putzen

Da komme ich also um elf Uhr abends nach 5 Monaten Abwesenheit wieder in meiner Wohnung an und freue mich, in aller Ruhe mein Zeug abstellen, mich ein bißchen zu entspannen und ausgeruht die bereits für den nächsten Tag organisierte Kistenrücklieferung aus dem Lager abwarten zu können. Leider sollte es anders kommen. Denn bereits nach flüchtigem Übersehen der hygienischen Grundsituation war ziemlich klar, daß ich meine Wohnung, bevor ich diese wieder mit meinen Sachen bestücken können würde, einer tiefgehenden Komplettreinigung unterziehen müßte. So eine S***** aber auch! Ich war felsenfest davon ausgegangen, meine Untermieterin diesbezüglich richtig eingeschätzt zu haben und wir hatten ja in meiner Abwesenheit auch ständig netten Kontakt miteinander gehabt. Wieso also war sie ganz offensichtlich nicht mal in der Lage, vor ihrem Auszug wenigstens mal den Staubsauger anzuschmeißen und so zu tun als ob.... Und schließlich - vom netten Kontakt jetzt mal ganz abgesehen - stand es schließlich explizit im Vertrag, daß die Wohnung sauber zu übergeben sei. Ich hab ja vor meiner Abreise auch einige Tage mit Einpacken und Putzen verbracht.

Ok, aber es half ja nix. Also ran an den Putzwedel. Und bis 6 Uhr morgens durchgescheuert. Und am kommenden Tag dann noch einige weitere Stunden, mit stetig steigendem Wutpegel.
Um diesen wieder abzubauen und meiner Enttäuschung Luft zu machen, hab ich mich, sobald der Computer wieder angeschlossen war, natürlich hingesetzt und diese ihr gegenüber in einer Mail deutlich formuliert. Und dann kam die schon zu erwartende Retourkutsche:
Jaaaaaaaa, alsooooooooo, ich gebe ja zu, daß ich das mit dem Saubermachen nicht so richtig ernst genommen habe, ABER: schließlich bist du ja selber daran schuld, denn die Wohnung war bei meinem Einzug auch BEI WEITEM nicht so sauber, wie ich mir das vorgestellt habe.

Dazu kann ich nur drei Dinge sagen:
a) Wer mich kennt, weiß, daß man mich nahezu als putzende Zwangsneurotikerin bezeichnen kann. Wenn ich putze, dann putze ich, und das tut kaum jemand so gründlich wie ich.
b) Wenn ich dann noch für jemand anderen als mich selbst putze, so geschieht dies um so gründlicher.
c) What the f**** ist denn das bitte für eine Ausrede? Wie Du mir, so ich Dir? Sind wir im Kindergarten?? Oder im Alten Testament?

Ok, soviel dazu. Das gleiche Geschiß hatte ich schon, als ich meine Wohnung vor Jahren erstmals untervermietet habe. Mit denselben Ausreden, von denen ich mich damals noch verunsichern habe lassen. Diesmal habe ich die Putzzeit von der Kaution abgezogen. Außerdem die Kohle für meine kaputtgegangenen Sachen, die lieblos in einen Karton gepfeffert worden waren.

Ich weiß, es hätte viel schlimmer kommen können und bis auf diese abschließende "Unpäßlichkeit", die mit einigen Scheuerstunden wieder behoben werden konnte, ist ja alles wirklich gut und reibungslos gelaufen. Trotzdem finde ichs schade und enttäuschend.

Ritmo Romántica


Ich habe meinen favorisierten peruanischen Radiosender im Netz gefunden. Welche Freude!
Relajate y siente:)

Dienstag, 5. August 2008

Heimkehr mit Delta

Wie die meisten von Euch ja bereits wissen, bin ich mittlerweile wieder heimgekehrt in heimatliche Gefilde. Auch die Heimreise gestaltete sich als äußerst interessantes Erlebnis.
Den ersten Teil der Strecke, die ca. 9 Stunden andauernde Strecke von Santiago bis Atlanta, habe ich sitzend neben einem Tierarzt verbracht, welcher sich auf den Flugzeugtransport der teuersten Pferde dieser Welt (und wir reden hier wirklich über RICHTIG teure Vierbeinerchen im Bereich von 500 Millionen Dollar und mehr) spezialisiert hat. Es ist nämlich verboten, Pferde künstlich zu inseminieren (jaja, wir sind ins janz schön ins Detail gegangen bei unserer Unterhaltung...) und deswegen müssen diese in regelmäßigen Abständen von Kentucky in die Emirate und wieder zurück und an einige andere geldhaltige Plätze der Welt verfrachtet werden. Der Herr (der außerdem 7 Kinder von 2 Exfrauen und einer aktuellen Frau hat und nebenher noch eine Geliebte, die jünger ist als ich; und der sich außerdem in seinem besten Mannesalter von knackigen 70 noch ein weiteres Kind wünscht - allerdings noch nicht weiß von wem; von seiner Geliebten zumindest nicht, wie er mir versicherte...), hatte natürlich in Windeseile seinen Laptop gezückt und so konnte ich, seine komplette Fotodatei durchstreifend, mannigfache Arten himmlischer Pferdebeförderungsmethoden bestaunen, Einblick in die teuersten Pferderanches der Welt gewinnen und JEDES einzelne (Ex)Familienmitglied (er pflegt mit allen Damen noch regen Kontakt...) beim Grillen, Saufen und beim Strandurlaub kennenlernen. Zum Abschied hat er mir dann noch eine geschmuggelte Flasche Pisco Sour geschenkt, die mir die blöden Amis bei der Einreise (!) allerdings gleich wieder abgenommen haben.



Auf dem Flughafen in Atlanta gings dann gleich spannend weiter, als ich in der Einreiseschlange fürs Fingerabdrucknehmen und Fotomachen an einer indischen Familie, die sich vorher an mir vorbeigeschlängelt hatte und die sich jetzt mit einem uniformierten Grenzbeamten unterhielt, im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit und weils ja eigentlich wurscht ist, ebenso vorbeizog. So angeschissen wurde ich selten von einer mir fremden Person (und aus derart nichtigem Grund), wie von diesem gehirngewaschenen und sich offenbar lediglich über die Macht der Uniform definierenden und sich bei diesem Gefühl wahrscheinlich allabendlich einen runterholenden Mr. America. Was ich mir eigentlich einbilden würde, so einfach an den Leuten hier vorbeizulaufen und überhaupt und wenn ich noch einen falschen Ton von mir geben würde (ich hab natürlich fälschlicherweise erstmal versucht, mich ein bißchen zu verteidigen...), dann würde er dafür sorgen, daß ich mich wieder ganz hinten anzustellen habe (und das war eine verdammt lange Schlange...).
Das Schlimme in solchen Situationen ist ja, daß diese Typen tatsächlich am längeren Hebel sitzen und dich im blödesten Fall solange irgendwo festhalten, bis du Deinen Anschlußflug verpaßt hast (Bekannten von mir passiert), oder dir eine veritable Straftat unterjubeln, die du nicht begangen hast (meinem Vater mal passiert). Also hab ich unter Aufbietung größter psychischer Gewalt gegen mich selbst meine Klappe gehalten und nur innerlich dieses Land und seine Einwohner verflucht und mir geschworen, NIE wieder über Amerika zu reisen. (Was ich dann 10 Minuten später auch überdeutlich auf einer Beschwerdekarte für den Kummerkasten des Flughafens festgehalten habe, damit sie's nur wissen, die blöden Amis....).
Nur nebenbei sei erwähnt, daß sich die arme indische Familie, die ja nun im Zentrum der Auseinandersetzung gestanden hatte, hinterher bei mir dafür entschuldigte, überhaupt jemals an mir vorbeigezogen zu sein und mich schlechten Gewissens und überaus freundlich nötigte (der Uniformarsch war mittlerweile außer Sicht), mich nun wiederum an ihnen vorbeizuschieben.

Nach 9 Stunden Aufenthalt in Atlanta, umgeben von einer nahezu unzählbaren Vielfalt von Fastfoodrestaurants und Kaffeetempeln, konnte ich dann nach der Lektüre einiger der mir liebsten Boulevardzeitschriften das Flugzeug nach München erklimmen und die zweite Etappe von 9 Stunden in Angriff nehmen. Und eigentlich hatte ich mir das auch ganz schön vorgestellt, mit einer interessanten Filmauswahl auf dem Bildschirm am Hinterkopf des Vordermanns und mit ein bißchen Alkohol. Weit gefehlt. Nach dem 6. Reboot des vermaledeiten Panasonic-Filmsystems (Panasonic ist Schuld, so die Stewardess in Erklärungsnot), gaben ich und meine neuen Sitznachbarn (ein netter indischer Geschäftsmann und eine überambitionierte Siemens-Angestellte mit kleiner Profilneurose) jede Hoffnung auf, auch nur ein buntes Bildchen über den Schirm flimmern zu sehen während der kommenden 9 Stunden. Doch stand das amerikanische Bordpersonal seinem uniformierten Bodenvertreter in Sachen Nettigkeit und Service nur wenig nach und sah es keineswegs ein, sich wenigstens mal für diesen Umstand zu entschuldigen oder uns eine Wiedergutmachung für die entstandene Langeweile anzubieten. Erst auf mein Insistieren hin knallte man unserer Reihe leicht genervt ein paar Gin Tonics auf die ausgeklappten Vorderbrettchen und rollte dann von dannen. Daß ich den anschließend servierten Kaffee selbst unter Aufbietung sämtlicher mir bekannter Geschmacksnervabtötungsautosuggestionen nicht runterwürgen konnte, wurde mit einem "Is my coffee really that bad, hihi?!" quittiert. Tee hab ich dann allerdings auch keinen mehr gekriegt.
Also Fazit: Fliegen is auch nich mehr, wasses mal war, und die Amis auch nich.

Hier das Testbild, auf welches wir 9 Stunden zu Starren verdammt waren:


Irgendwann hatte aber auch diese Qual ein Ende und ich wurde daheim von der selten gesamtversammelten Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Schwester am Flughafen abgeholt:


Ja, und damit ich beim Übergang vom chilenischen Winter zum deutschen Sommer einen nicht gar so schweren Schock zu erleiden hätte, wurde mir im anschließend im väterlichen Wohnzimmer erst mal ein Kaminfeuer entzündet...

Samstag, 2. August 2008

Flexible Lebensplanung

In Deutschland wird einem permanent das Gefühl vermittelt, ein Lebenslauf müßte so gradlinig wie möglich verlaufen, ohne größere Abweichungen vom auserkorenen Berufsziel und, noch wichtiger, ohne größere Lücken, in denen man dann angenommenerweise nichts geleistet oder vermeintlich im Knast gesessen hat.
Was aber nun, wenn die große Berufungserleuchtung auf sich warten läßt oder man einfach für ganz viele verschieden Dinge sich interessiert und für diese außerdem noch gleichermaßen talentiert zu sein scheint? Wieviel darf man ausprobieren, wie lange sich austoben, wie lange die Auffahrt auf die einspurige Karriereautobahn ohne Abfahrt und Wendemöglichkeit hinauszögern? Oder darf man vielleicht viel länger als gedacht die Landstraße mit ihrer schönen Natur und ohne die nervigen Überholmanöver der anderen entlangfahren? Und hie und da in dem einen oder anderen Dorf eine Rast einlegen, um sich dieses anzusehen, sich mit den Anwohnern zu unterhalten und vielleicht einen kleinen Laden dort zu eröffnen? Und wenn der dann nicht mehr läuft, wieder in seinen Wagen zu steigen und dann entweder zügig oder zuckeln weiterzufahren...
In Peru machen das ganz viele Leute so. Da ist es keine Schande, sondern eher notwendige Normalität, daß man in seiner beruflichen Entwicklung flexibel bleibt und die Augen nach links und rechts offen hält. Wenns mit dem einen Job nicht (mehr) klappt, sieht man sich schnell nach was anderem um (gerne auch in einer völlig anderen Branche), oder eröffnet vielleicht ganz flux mehr oder minder legal angemeldet ein eigenes Business. Oder man hat - meist aus der finanziellen Not geboren - gleich mehrere Jobs gleichzeitig.
Von den Paralleljobs abgesehen eigentlich kein schlechtes Modell, welches einem bei der Jobsuche vielleicht nicht nur ein wenig den Druck von den Schultern nimmt, verzweifelt auf grader Linie weiterfahren zu müssen und nun sofort den EINEN und RICHTIGEN Job finden zu müssen, der einen wirklich weiterbringt, sondern auch deutlich mehr theoretische und praktische Flexibilität nach sich zieht, die doch sowohl im Privat- als auch Berufsleben nur von Nutzen sein kann. Oder?

Último día en Santiago

An meinem letzten Tag in Santiago bin ich ein letzes Mal mit meinen neuen Freunden Essen gegangen, die trotz ihres straff organisierten, keusch-abstinenten Lernprogramms eine kleine Ausnahme gemacht und zum Abschied mit einem leckeren Glas chilenischem Rotwein mit mir angestoßen haben.