Wie die meisten von Euch ja bereits wissen, bin ich mittlerweile wieder heimgekehrt in heimatliche Gefilde. Auch die Heimreise gestaltete sich als äußerst interessantes Erlebnis.
Den ersten Teil der Strecke, die ca. 9 Stunden andauernde Strecke von Santiago bis Atlanta, habe ich sitzend neben einem Tierarzt verbracht, welcher sich auf den Flugzeugtransport der teuersten Pferde dieser Welt (und wir reden hier wirklich über RICHTIG teure Vierbeinerchen im Bereich von 500 Millionen Dollar und mehr) spezialisiert hat. Es ist nämlich verboten, Pferde künstlich zu inseminieren (jaja, wir sind ins janz schön ins Detail gegangen bei unserer Unterhaltung...) und deswegen müssen diese in regelmäßigen Abständen von Kentucky in die Emirate und wieder zurück und an einige andere geldhaltige Plätze der Welt verfrachtet werden. Der Herr (der außerdem 7 Kinder von 2 Exfrauen und einer aktuellen Frau hat und nebenher noch eine Geliebte, die jünger ist als ich; und der sich außerdem in seinem besten Mannesalter von knackigen 70 noch ein weiteres Kind wünscht - allerdings noch nicht weiß von wem; von seiner Geliebten zumindest nicht, wie er mir versicherte...), hatte natürlich in Windeseile seinen Laptop gezückt und so konnte ich, seine komplette Fotodatei durchstreifend, mannigfache Arten himmlischer Pferdebeförderungsmethoden bestaunen, Einblick in die teuersten Pferderanches der Welt gewinnen und JEDES einzelne (Ex)Familienmitglied (er pflegt mit allen Damen noch regen Kontakt...) beim Grillen, Saufen und beim Strandurlaub kennenlernen. Zum Abschied hat er mir dann noch eine geschmuggelte Flasche Pisco Sour geschenkt, die mir die blöden Amis bei der Einreise (!) allerdings gleich wieder abgenommen haben.
Auf dem Flughafen in Atlanta gings dann gleich spannend weiter, als ich in der Einreiseschlange fürs Fingerabdrucknehmen und Fotomachen an einer indischen Familie, die sich vorher an mir vorbeigeschlängelt hatte und die sich jetzt mit einem uniformierten Grenzbeamten unterhielt, im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit und weils ja eigentlich wurscht ist, ebenso vorbeizog. So angeschissen wurde ich selten von einer mir fremden Person (und aus derart nichtigem Grund), wie von diesem gehirngewaschenen und sich offenbar lediglich über die Macht der Uniform definierenden und sich bei diesem Gefühl wahrscheinlich allabendlich einen runterholenden Mr. America. Was ich mir eigentlich einbilden würde, so einfach an den Leuten hier vorbeizulaufen und überhaupt und wenn ich noch einen falschen Ton von mir geben würde (ich hab natürlich fälschlicherweise erstmal versucht, mich ein bißchen zu verteidigen...), dann würde er dafür sorgen, daß ich mich wieder ganz hinten anzustellen habe (und das war eine verdammt lange Schlange...).
Das Schlimme in solchen Situationen ist ja, daß diese Typen tatsächlich am längeren Hebel sitzen und dich im blödesten Fall solange irgendwo festhalten, bis du Deinen Anschlußflug verpaßt hast (Bekannten von mir passiert), oder dir eine veritable Straftat unterjubeln, die du nicht begangen hast (meinem Vater mal passiert). Also hab ich unter Aufbietung größter psychischer Gewalt gegen mich selbst meine Klappe gehalten und nur innerlich dieses Land und seine Einwohner verflucht und mir geschworen, NIE wieder über Amerika zu reisen. (Was ich dann 10 Minuten später auch überdeutlich auf einer Beschwerdekarte für den Kummerkasten des Flughafens festgehalten habe, damit sie's nur wissen, die blöden Amis....).
Nur nebenbei sei erwähnt, daß sich die arme indische Familie, die ja nun im Zentrum der Auseinandersetzung gestanden hatte, hinterher bei mir dafür entschuldigte, überhaupt jemals an mir vorbeigezogen zu sein und mich schlechten Gewissens und überaus freundlich nötigte (der Uniformarsch war mittlerweile außer Sicht), mich nun wiederum an ihnen vorbeizuschieben.
Nach 9 Stunden Aufenthalt in Atlanta, umgeben von einer nahezu unzählbaren Vielfalt von Fastfoodrestaurants und Kaffeetempeln, konnte ich dann nach der Lektüre einiger der mir liebsten Boulevardzeitschriften das Flugzeug nach München erklimmen und die zweite Etappe von 9 Stunden in Angriff nehmen. Und eigentlich hatte ich mir das auch ganz schön vorgestellt, mit einer interessanten Filmauswahl auf dem Bildschirm am Hinterkopf des Vordermanns und mit ein bißchen Alkohol. Weit gefehlt. Nach dem 6. Reboot des vermaledeiten Panasonic-Filmsystems (Panasonic ist Schuld, so die Stewardess in Erklärungsnot), gaben ich und meine neuen Sitznachbarn (ein netter indischer Geschäftsmann und eine überambitionierte Siemens-Angestellte mit kleiner Profilneurose) jede Hoffnung auf, auch nur ein buntes Bildchen über den Schirm flimmern zu sehen während der kommenden 9 Stunden. Doch stand das amerikanische Bordpersonal seinem uniformierten Bodenvertreter in Sachen Nettigkeit und Service nur wenig nach und sah es keineswegs ein, sich wenigstens mal für diesen Umstand zu entschuldigen oder uns eine Wiedergutmachung für die entstandene Langeweile anzubieten. Erst auf mein Insistieren hin knallte man unserer Reihe leicht genervt ein paar Gin Tonics auf die ausgeklappten Vorderbrettchen und rollte dann von dannen. Daß ich den anschließend servierten Kaffee selbst unter Aufbietung sämtlicher mir bekannter Geschmacksnervabtötungsautosuggestionen nicht runterwürgen konnte, wurde mit einem "Is my coffee really that bad, hihi?!" quittiert. Tee hab ich dann allerdings auch keinen mehr gekriegt.
Also Fazit: Fliegen is auch nich mehr, wasses mal war, und die Amis auch nich.
Hier das Testbild, auf welches wir 9 Stunden zu Starren verdammt waren:
Irgendwann hatte aber auch diese Qual ein Ende und ich wurde daheim von der selten gesamtversammelten Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Schwester am Flughafen abgeholt:
Ja, und damit ich beim Übergang vom chilenischen Winter zum deutschen Sommer einen nicht gar so schweren Schock zu erleiden hätte, wurde mir im anschließend im väterlichen Wohnzimmer erst mal ein Kaminfeuer entzündet...
Dienstag, 5. August 2008
Heimkehr mit Delta
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