Armut in Peru ist ein allgegenwaertiges Problem. Allerorts stehen Wellblechhaeuser, in denen zigkoepfige Familien ihr Zuhause haben, in den Strassen kaempfen Bettler um das blanke Ueberleben und in den Kombis sitzen neben einem arme Landarbeiter, die mit Spitzhacken bewaffnet auf den Feldern ihr taegliches Brot erarbeiten. Abends auf den Strassen und in den Restaurants erbetteln sich Kinder ein paar Centimos oder versuchen mit dem Verkauf von einzelnen Bonbons der Familie ein Zubrot zu erwirtschaften.
Daneben allerdings spielt sich voellig normales Leben ab, oder zumindest solches, welches derart erscheint. Da wird allerorts mit dem Handy telefoniert, sich in grosstuerischer Arroganz geuebt, sich mit schicken Kleidungsstuecken eingedeckt und das Nightlife genossen. Die wahre Armut spielt sich doch eher verdeckt ab oder wird gekonnt verschleiert. Oder es wird einfach nicht sosehr gejammert. Auf jeden Fall verliert man die wahre Situation vieler Familien sehr leicht aus dem Auge, wenn man hier so sein Leben lebt und sein Tagesprogramm durchzieht. Als wir letzte Woche einen Hausbesuch bei einer unserer Schuelerinnen (Leydie) gemacht haben, war ich demzufolge voellig vor den Kopf gestossen ob der Tatsache, dass sie mit ihrem Bruder (der sage und schreibe mit dem Vornamen Klinsmann bedacht wurde) und ihren Eltern ohne Strom und fliessend Wasser in zwei kleinen Raeumen haust, denen man den Durchzug schon beim schlichten Betrachten anfuehlen konnte. Taeglich badet sie sich im nahegelegenen Fluss und macht aeusserlich keineswegs den Eindruck, als mangele es ihr an etwas. Ihre Eltern sind beide Analphabeten und koennen ihr bei den Hausaufgaben nicht helfen. Sie ist allerdings ein ehrgeiziges und huebsches Maedchen und ich hoffe von Herzen, dass sie ihren Weg machen wird.
Allerdings ist es schwierig, hier auch mit gutem Willen und ueberdimensionalem Fleiss ausgestattet auf einen gruenen Zweig zu kommen. So kenne ich jemanden, dessen Monatsgehalt bei einem 12-Stunden-Arbeitstag bei 250 Soles gelegen hat (entspricht 62 Euro) und selbstverstaendlich davon ausgegangen wurde, dass Ueberstunden aus reiner Liebe zum Arbeitgeber und Angst vor der Arbeitslosigkeit gratis absolviert werden. Das letzte Monatsgehalt wurde dann noch nicht mal ausbezahlt, da ein Arbeitsgeraet kaputtgegangen war und man meinem Bekannten dafuer die Verantwortung zugeschoben hat. Und selbstverstaendlich gibt es weder Arbeitslosengeld noch Rente. So zeichnen sich viele Peruaner durch geschaeftliche Findigkeit aus und verkaufen mit kleinen Bauchlaeden ausgestattet auf den Strassen so ungefaehr alles, was man sich nur im entferntesten vorstellen kann. Wie sie sich und ihre Familien damit allerdings ueber die Runden bekommen, bleibt mir ein Raetsel.
Leydie
Montag, 21. April 2008
Armut
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