Am Samstag Abend ging dann mein Bus nach Santiago, die letzte Phase meiner Reise stand bevor. Und der Abschied von Peru barg nochmal zo ziemlich alles in sich, was man an Reisedramatik erwarten kann und was ich hier ja schon so gewoehnt bin.
Die erste Etappe der Reise fuehrte mich in der Nacht von Samstag auf Sonntag in einem Bus mit gefrierschrankaehnlichen Temperaturen in Richtung chilenische Grenze. Dank der geliehenen Decke eines Mitreisenden hab ich die Fahrt dann aber doch ganz gut ueberstanden. Um halb 5 kamen wir dann im Grenzort Tacna an, von wo angeblich um 6 Uhr morgens der Bus nach Santiago abfahren sollte. Als ich, am Terminal angekommen, den Buschauffeur allerdings mit diesem Umstand konfrontierte, wusste er nicht so recht, was er mit mir anstellen sollte. Also hat er mich erstmal mitgenommen zum Parkplatz der Busgesellschaft, wo wir beide noch eine Runde im Bus weitergepennt haben. Als der Zeiger dann allerdings naeher an die 6 Uhr rueckte, hab ich ihn nochmal gebeten, nach meinem Anschlussbus Ausschau zu halten. Ich solle mir keine Sorgen machen, man wuerde mir dann Bescheid geben. Zwei Stunden spaeter wurde mir das ganze allerdings zu dumm und wollte ich gerne einen Verantwortlichen sprechen. Ein solcher wurde dann in dem ansonsten menschenleeren und kargen Gebaeude auch irgendwann aufgetrieben und dieser infomierte mich dann halbscharig darueber, dass der aus Lima kommende Bus nach Santiago angefahren worden sei und der Fahrer derzeit auf der Polizeistation sitze und nicht zu erreichen sei. Der Unfall sei so vier Stunden vor Tacna passiert. Also so gegen Mittag wuerde er dann bestimmt hier ankommen und dann wuerde es weitergehen.
Eine weitere Mitreisende war die ganze Zeit netterweise an meiner Seite geblieben, da sie mich nicht mutterseelenalleine in der von den wenigen putzenden Maennern bevoelkerten Wartehalle zuruecklassen wollte. Mit ihr bin ich dann zur Zeitueberbrueckung zum Fruehstuecken auf einen Secondhand-Kleidermarkt gegangen, wo meines Erachtens aus Ersteweltlaendern als Spende abgegebene Kleider verhoekert werden.
So gegen 10 sind wir dann wieder zurueck und nun war wirklich NIEMAND ausser dem Reinigungspersonal mehr in dieser Busgesellschaft zugegen und wir wurde die ganze Sache immer spanischer und ein bisschen stieg die Verzweiflung in mir hoch. Nach wiederum vielem hin und her und zwischendurch ein paar Traenen rang man sich dann doch durch, mal wieder einen Verantwortlichen zu suchen und mit mir zu sprechen. Dieser teilte mir nun mit, dass sich die Wartespanne auf den Bus um weitere Stunden verlaengert habe. Trotzdem koenne man ja nichts dafuer (der Bus sei schliesslich angefahren worden und hat nicht selber angefahren...) und deshalb muesse man sich auch nicht bei mir entschuldigen, geschweige denn mir vielleicht mal einen Kaffee schenken.
Wiederum einige Stunden spaeter, auch meine nette Betgleiterin hatte sich zwischenzeitlich doch mal wieder um ihre eigenen Sachen kuemmern muessen, kam dann endlich der halbwegs zerstoerte Bus mit einer ziemlich geschlauchten Reisegesellschaft an.
Da allerdings kein Ausweichbus zur Verfuegung stand, hatte sich die Firma zwischenzeitlich doch dazu entschlossen, uns allen ein Mittagessen zu spendieren, und so wurden wir auf den Hof eines nur schwerlich als Restaurant zu bezeichnenden Etablissements gekarrt. Zu meinem grossen Glueck befand sich unter den angekommenen Reisenden eine Gruppe Studenten aus Lima, die mich vom ersten Moment an adoptierten und mit denen die Warterei zu einem wahren Fest wurde. Dies konnte allerdings trotzdem nicht darueber hinwegtaeuschen, dass sich die Dauer der Warterei irgendwann auf 12 Stunden belief und die Busgesellschaft (hatte ich schon erwaehnt, dass es sich dabei um Ormeño handelt?) uns keinerlei Auskunft ueber den Stand der Dinge gab. Dies ging dann irgendwann soweit, dass wir beschlossen, die Polizei in die ganze Angelegenheit miteinzubeziehen. Nach insgesamt 14 Stunden kam es dann zu einer Art Dialog, in der uns mitgeteilt wurde, dass der zuvor angeschrottete Bus mittlerweile repariert sei und wir in ca. einer Stunde weiterziehen koennten. Und als Wiedergutmachung wuerde man uns auch am kommenden Tag ein Mittagessen spendieren....
In diesem kaputten Bus sollten wir also wieder weiterziehen? Als Wiedergutmachung EIN beschissenes Mittagessen bekommen? Na gut, ok - mittlerweile war uns dann wirklich alles egal und um 21:00 konnten wir tatsaechlich erneut das zusammengeklebte Wrack besteigen und die 33stuendige Reise gen Sueden antreten.
Plaza de Armas in Tacna, wohin wir zwischenzeitlich zum Geldwechseln gefahren sind:
die Wartestaette:
Warten schweisst zusammen:
Mittwoch, 9. Juli 2008
Tacna mit Ormeño
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1 Kommentar:
Das sieht ja mal ganz schön kalt aus - wenn Du Glück hast gibts am Sonntag Sonne :)
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