Dienstag, 13. Mai 2008

Abschied und Hoteldrama

Mittlerweile sind die ersten drei Monate meines Aufenthalts ins Land gezogen und offiziell ist meine Zeit als Volunteer, die fuer diesen Zeitraum angelegt war, seit Anfang dieser Woche sozusagen abgelaufen. Nach vielem Ueberlegen und in Anbetracht verschiedener innerer sowie aeusserer Umstaende habe ich jedoch den Entschluss gefasst, meine Zeit in Huancayo um einen Monat zu verlaengern. Dies allerdings mit einem deutlich reduzierten Arbeitsvolumen, da die vergangenen Wochen doch ziemlich anstrengend und stressig waren und ich kaum zur Ruhe gekommen bin, weshalb ich ja nicht zuletzt (im Gegenteil sogar zuerst) hierher gekommen bin. Seit Montag arbeite ich also nachmittags nicht mehr im Casa und werde in den kommenden Wochen nur noch zwei Nachmittage pro Woche im Orfanato zubringen. Ganz aufhoeren wollte ich mit der Taetigkeit dort nicht, denn die Jungs haben solchen Spass und ich habe das Gefuehl, Sustacha macht wirklich ein paar Fortschritte.
Da somit aber auch meine "offizielle" Verbindung mit Expand Peru ihr Ende gefunden hat, musste und wollte ich mir auch eine neue Bleibe suchen. Vor etwa 10 Tagen bin ich also durch die Stadt gezogen und hab mir verschiedene Hostals angesehen, von denen eins haesslicher als das andere war. Die einen hatten keinen Fernseher (was ja noch zu verkraften gewesen waere), die anderen kein heisses Wasser und die dritten ab zwei Uhr nachmittags ueberhaupt kein Wasser mehr. Sowieso waren alle Zimmer schlicht, scheusslich und unfreundlich eingerichtet und Tageslicht braucht man ja auch nicht unbedingt, damit es einem gut geht... Fruehstueck wurde in keinem Etablissement angeboten. Ausserdem begann ich in Anbetracht der aufgeschichteten Decken im Stillen darueber nachzudenken, mir nicht zu guter Letzt vielleicht doch noch einen Schlafsack zuzulegen...
Entschieden hab ich mich dann fuer "Las Lomas", zentral gelegen, guter Preis (15 Soles pro Nacht, wenn ich einen Monat bleibe) und das angenehmste Zimmer von allen, wenn leider auch ziemlich dunkel. Das letzte Wochenende hab ich dann sozusagen als Abschiedswochenende mit Yuko, meiner Residenz-Mitbewohnerin, melancholisch und guten Gewissens nahezu komplett vor dem Fernseher verbracht (sie hat gluecklicherweise auch ein Faible fuer the E-True-Hollywood-Story und relatierte Programme...) und am Montag schliesslich meine Sachen gepackt. Vorher hatte ich noch lange hin und her ueberlegt, ob ich nicht doch noch eine Woche in der Residenz bleiben sollte, denn die neuen Bewohnerinnen kommen erst in einer Woche. Dann hab ich mich aber doch fuer einen klaren Schnitt entschieden und bin also abends heulend ins Taxi gestiegen, um ins schwarze Loch zu fahren. So hab ich mich zumindest gefuehlt. Dort angekommen haendigt uns der alterschwache Portier den Schluessel des reservierten Zimmers aus und wir erklimmen die Stiegen. Im Zimmer sitze ich schliesslich kreuzungluecklich auf meinem Bett und frage mich, was um alles in der Welt ich hier eigentlich tue und was ich will und wer ich bin und alles moegliche existentielle. Bis ploetzlich die Hoteleigentuemerin ins Zimmer kommt und mich dieses verweist, denn dies sei ja schliesslich ein Matrimonial und ich ja nur eine Person und ueberhaupt. Sie zeigt mir also die Abstellkammer, in die ich nun umziehen soll und ich meine ich spinne. Also meine Sachen geschultert und raus aus dem Laden. Wohin jetzt? Warum bin ich nicht in der Residenz geblieben? Scheisse scheisse scheisse! Was ist das fuer ein Mistland, die haben hier echt noch nie was von SERVICE gehoert etc. etc. (in solchen Momenten wird man ja bekanntlich sehr ungerecht....). Also mit meinem ganzen Zeug ins Expand Peru Office, von wo ein empoerter Rubén sich dann mit AA auf die Suche nach einer neuen Bleibe gemacht hat, waehrenddessen ich mich weiter in gerechtfertigten und ungerechtfertigten Schimpfereien ergangen habe. Und da ja nichts ohne Grund passiert hab ich gleichzeitig gebetet, dass der Grund dieses ganzen Desasters darin bestehen wuerde, dass sich eine viel tollere Bleibe fuer mich finden wuerde. Und ob ihrs glaubt oder nicht: dem war dann auch tatsaechlich so! Mittlerweile wohne ich in einer ganz reizenden Pension (http://www.posadajuncoycapuli.com/) in zwar dunklem, jedoch sehr liebevoll eingerichteten und wenigstens in freundlichem Gelb gestrichenem Zimmer, vor welchem sich gar eine Terasse befindet. Die sich kuemmernde Dame ist ganz reizend und ich fuehle mich wirklich sehr wohl dort. Das einzige Haar in der Suppe ist, dass die ganze Pension ab morgen bis Sonntag bereit ausgebucht war, ich also morgen wieder meinen Rucksack schnueren muss um dann am Sonntag wieder zurueckzukehren. Aber wir haben nun beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen und morgen Abend fuer einige Tage nach Ayacucho zu fahren, die nach Cuzco angeblich zweitschoenste Stadt Perus.
Auch Las Lomas hab ich mittlerweile noch einen Besuch abgestattet, denn meinem Aerger wollte ich denn doch nochmal ordentlich Luft machen. Eigentlich wollte ich denen weismachen, dass ich ein total hohes Tier in der deutschen Tourismusbranche bin und alles dransetzen werde, damit das Hotel aus allen nur erdenklichen Reisefuehrern verschwindet. Der Dueño war dann allerdings derart kleinlaut und schuldbewusst ob des Verhaltens seiner Frau (NATUERLICH koenne ich das Zimmer haben und gratis Fruehstueck als Wiedergutmachung noch dazu), dass ich mich damit begnuegt habe, ihm mitzuteilen, dass ich Dank seiner Gattin eine weitaus schoenere Bleibe gefunden habe.

Ein letzter Ausblick vom Dach der Residenzia:








Meine gepackten Sachen:


Mein neues Zuhause:


4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Jaja, zuerst ein Monat länger und in ein paar Monaten kann ich erzählen, ich kenne da so eine Aussteigerin in Peru;-) Nur was ich nicht verstehe ist, warum ausgerechnet Du rausgeworfen wurdest, da Du ja das Zimmer eigentlich gemietet hast. Man wirft doch als Kathechismus-Anhänger doch den Mann raus!? Oder hab' ich das jetzt total mißverstanden?
LG, Karo

Anonym hat gesagt…

Das Zimmer ist echt schön und hat ja in dem Licht glatt einen romantischen Touch. Hoffe nur, Deine pulgas bekommen nicht noch Freunde :)

Anonym hat gesagt…

Ich freu mich so fuer Dich, das ist das einzige, was ich bei der Lektuere Deines Blogs denken kann!

Angelina hat gesagt…

Liebe Karo,
noe, das hast Du in der Tat falsch verstanden:) Obwohl hier fast alle fanatische Katholiken sind, ging es bei dieser Sache doch lediglich um den schnoeden Mammon. Denn ein Matrimonial ist eigentlich fuer zwei Leute gedacht, kostet daher mehr und kam der Dame zufolge deshalb fuer mich nicht infrage.
Gedreht hab ich nur an der Reiseplanung, mein Rueckreisedatum steht allerdings. Ich glaube ziemlich unerschuetterlich...

Liebe Alex,
ja, das Zimmer ist wirklich sehr fein und meine Dueños ganz allerliebst. Freitag werden AA und ich gar persoenlich vom Jefe bekocht. Ich freue mich auf die kommenden knapp drei entspannten Wochen!

Liebe Anja,
ich danke Dir und hoffe, Du hattest eine genauso gute Zeit und steckst in nicht allzu grossen deutschen Wiedereingewoehnungsschwierigkeiten! Brrrr, da graut mir ja schon ein bisschen vor, wenngleich ich hier doch auch einiges typisch deutsche vermisse:)

Euch allen alles Liebe
von
Angela