Obwohl ja nun mittlerweile schon fast zwei Wochen her, hier nun doch noch die Bilder von meiner Abschiedsfeier im Casa in Chupaca.
Hier haelt Bernabe gerade die Abschiedsrede und alle lauschen gespannt:
Billie und Christan, die beiden Jungs an der Tuere, sollten hier eigentlich eine kleine Abschiedstanzvorfuehrung aufs Parkett legen, haben sich dann aber doch nicht so wirklich getraut...
Dann doch lieber auf meinen Schoss.

Und natuerlch gabs auch eine Torte. Torten sehen in der Regel immer so aus, ueberzogen von einer dicken Schicht Chantilly und Verzierungen in Obst- und Tiergestalt. Chantilly ist pappsuesses Zeug, welches in Tueten verkauft wird und dann mit irgendwas angemischt werden muss. Sahne gibts naemlich im ganzen Land weit und breit nicht und ich wurde am Anfang meines Aufenthaltes immer wie ein Esel angesehen, wenn ich versucht habe zu erklaeren, was Sahne ist und was ich damit machen will.
Und natuerlch gabs auch eine Torte. Torten sehen in der Regel immer so aus, ueberzogen von einer dicken Schicht Chantilly und Verzierungen in Obst- und Tiergestalt. Chantilly ist pappsuesses Zeug, welches in Tueten verkauft wird und dann mit irgendwas angemischt werden muss. Sahne gibts naemlich im ganzen Land weit und breit nicht und ich wurde am Anfang meines Aufenthaltes immer wie ein Esel angesehen, wenn ich versucht habe zu erklaeren, was Sahne ist und was ich damit machen will.
Und wo eine Torte ist, da ist auch immer eine Person, die davon abbeissen muss. Normalerweise das Geburtstagskind, in meinem Fall das Abschiedskind. Und obwohl man eigentlich weiss, was gleich passieren wird, ist man doch immer wieder ueberrascht, wenn einem beim Abbeisen jemand von hinten einen ordentlich Schubs verpasst, sodass man die Torte anschliessend fast in den Bronchien hat.



Tja, und bin ich jetzt im Nachhinein gluecklich und zufrieden mit meiner Taetgkeit dort? Ich bin zugegebenermassen ein bisschen hin und hergerissen. Die Kinder sind unglaublich undiszipliniert und ziemlich respektlos Erwachsenen gegenueber und oft war es schon ein ganz schoener Kampf, sie dazu zu bewegen, mal ein paar Minuten stillzusitzen, mir zuzuhoeren und nachzuplappern, was ich vorgeplappert habe. Oder mal selber ihr Gehirn einzuschalten und nicht nur zu raten (was offenbar das gaengige Vorgehen in den hiesigen Schulen darstellt.) Zwischendurch hab ich zugegebenermassen auch mal ein bisschen resigniert und Ihnen mitgeteilt, dass es mir total schnurz ist, ob sie nun Englisch lernen oder nie im Leben 2+2 zusammenzaehlen koennen werden. Und daher auch gerne zum Spielen in den Garten gehen koennen oder sich bei der daemlichen Kletterei auf der Treppe, die ich schon 1000 Mal verboten habe, den Hals brechen. Ob ich ihnen nun irre viel beigebracht habe, wage ich zu bezweifeln, aber einige kleine Lichtblicke gabs schon, als z.B. Ricardo endlich das Konzept des Minusrechnens geschnallt hat oder Billie freiwillig nach mehr Vokabeln verlangt hat. Ausserdem war ich die erste Deutsche ("Deutschland, wo ist das denn?", "Europa, was ist das denn?", "Spricht man in Deutschland auch Englisch?"), die sie zu Gesicht bekommen haben, was ja zumindest einen manifesten Beitrag zur Voelkerverstaendigng darstellt.
Ich weiss nicht genau, was ich mir nun genau von der Taetigkeit im Casa erwartet habe und bin vielleicht mit zu grossem Anspruch und Perfektionismus an die Sache rangegangen. Schliesslich sind Kinder ja doch einfach Kinder, ob nun aus reichen oder armen Verhaeltnissen stammend, und Mathe oder Sprachen lernen kommt ja leider bei den wenigsten Kindern wirklich gut an...
Auf jeden Fall kann ich mittlerweile verstehen, warum so viele Lehrer in Deutschland ueber Burnouts klagen. Ein Hoch auf fast alle Lehrer und Erzieher dieser Welt!!!
Und zum Abschluss noch ein paar Kinder im einzelnen:
Christian, der in der 4. Klasse noch nicht Multiplizieren kann
Ricardo, der in der 2. Klasse nur die Buchstaben A bis F kannte
(Zuhause teilt er sich ein Bett mit seiner aelteren Schwester, weil kein Geld fuer ein weiteres Bett da ist.)
Billie, der wie sein Zwillingsbruder Lenin superschlau und interessiert ist und von denen ich hoffe, dass sie nicht am peruanischen Schulsystem scheitern werden!
Geraldo, der sich keine 5 Minten konzentrieren kann und sich in einer Tour unter dem Tisch versteckt, um sich vor der Arbeit zu druecken
Nicole, die fuerchte ich bereits mit spaetestens 13 das erste Kind erwarten wird
Johrdy, ein ganz reizender Junge, der mit Feuereifer bei der Sache war und sich nicht gescheut hat, den Streber zu geben
Alicia, bei der weder Schmeicheln noch Drohen dazu fuehren konnten, dass sie auch nur eine Minute mitgearbeitet haette
(Die Eltern sind den ganzen Tag auf dem Feld und koennen weder die Hausaufgaben kontrollieren, noch ihren beiden Toechtern ein bisschen Disziplin beibringen.)
Flor, die sich mit allem ziemlich schwertut und ausserdem aeusserst schuechtern ist
(Ihr Vater arbeitet als Kombichauffeur in Lima, ihre Mutter macht den Haushalt bei einer Familie in Chupaca. Im Hinterhof bewohnt sie gemeinsam mit Mutter und Schwester ein Zimmer, in dem gerade mal die beiden Betten, die sie zu dritt bewohnen, Platz haben.)
Leydie, die einerseits zwar motiviert ist, andererseits aber auch ganz genau weiss, wie sie den Lehrer um den Finger wickeln und sich vor der Arbeit druecken kann.
(Ihre Eltern sind beide Analphabeten und koennen ihr daher nicht bei den Hausaufgaben helfen. Ihr Vater arbeitet als Kartoffel-Erntehelfer, die Mutter waescht gegen Bezahlung Waesche im nahegelegenen Fluss. Erst seit der Spende von Tylers Eltern konnte bei ihnen zuhause in den vergangenen Wochen Elektrizitaet installiert und der Kueche ein Dach verpasst werden.)
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